Vom großen Mann wurde ich gerade auf einen Artikel zum Thema “Diktatur der Unschuldigen” (drei Teile bei SPON von Elke Schmitter) - Kindheit als Kuschelwarteraum vor dem Erwachsenwerden aufmerksam gemacht.
(Auf gute Artikel bei SPON muss man mich immer aufmerksam machen, denn ich habe keine Geduld mir aus einer Menge mieser Artikel - um nicht reißerisch und niveaulos zu schreiben - noch zu uninteressanten Themen, die paar guten heraus zu picken.)
Schmitter konstatiert zuerst einmal ein Problem: Tyrannische Kinder, die die Eltern ratlos wenn nicht überfordert machten.
Der Artikel liefert im weiteren Ansätze zu einer Analysierung der heutigen Erziehungsstile. Dabei werden zwei Ansätze beschrieben:
Die Eltern wollen Partner ihrer Kinder sein. Sie gestehen ihnen mehr Freiheiten und Rechte zu, als beide Seiten brauchen und ertragen.
Das ist der Kindheit als Kuschelwarteraum-Ansatz, deren Eltern dann der Schule misstrauisch gegenüber stehen und sich Sorgen um nicht kindgerechte Lernstoffe machen.
Wir geben dir größtmögliche Unterstützung, damit du durch Leistung und Benehmen zeigst, wie gut wir als Eltern sind. Und das kann gefährlich sein. Verwahrlosung, Ignoranz und Desinteresse, so argumentiert der dänische Familientherapeut Jesper Juul, richten weniger Schaden in Kinderseelen an als jener Narzissmus, der den Nachwuchs glücklich und erfolgreich sehen will, um sich selbst als kompetent zu erleben.
Der zweite Ansatz beschreibt Eltern, die den späteren Lebenserfolg ihrer Kinder planen und damit von den Kindern enorm viel fordern. Der Artikel beleuchtet aber mehr die Eltern des ersteren Typs und stellt der dieser Erziehungs”methode” zugrunde liegenden Sicht auf das Kind, die historischen Sichten auf Kinder von den Griechen im Schnelldurchlauf bis zur heutigen Gesellschaft gegenüber.
Der Artikel reißt mich nun auch nicht vom Hocker, wenn man ihm so etwas wie ein Fazit abringen kann, dann wahrscheinlich am ehesten das “pick your battle”, also such die Prinzipien in der Erziehung, die der Situation Deiner Familie am angemessensten sind und vertrete diese dann auch authentisch und konsequent (wenn letzteres nicht schon überinterpretiert ist).
Am Ende des Artikels werden drei Erziehungsratgeber empfohlen:
- Michael Winterhoff: “Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit”
- Jesper Juul: “Die kompetente Familie. Neue Wege in der Erziehung”
- Rudolf Dreikurs/Vicki Soltz: “Kinder fordern uns heraus. Wie erziehen wir sie zeitgemäß?”
Hat davon eineR der hier Mitlesenden vielleicht schon mal eines gelesen und kann mir kurz an- oder auch abraten?
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