Vom Wetter

Original bei Wikipedia

Interessant, welche Gebiete nicht alle schon zu den Subtropen zählen. So war mir irgendwie entfallen (oder habe ich es überhaupt jemals lernen müssen?!), dass dazu auch in Europa z.B. schon Italien und Griechenland zählen.

Sao Paulo gehört auf jeden Fall dazu. Es gibt vier Jahreszeiten, wobei die sich für den Europäer kaum unterscheiden, bzw. die Unterschiede zwischen Frühling und Herbst fallen schwer, leicht auszumachen sind die Sommerzeit und die Winterzeit.

Im hiesigen Sommer wechselt das Wetter während des Tagesverlaufs: Vormittags gibt es strahlenden Sonnenschein und es wird schnell immer heißer, so ab mittag wird es dann schwül und nachmittags so zwischen 16-17h beginnt dann ein Gewitter. Das gilt jetzt nicht wirklich für jeden Tag, aber man kann damit schon gut rechnen. Gewittert´s, schüttet´s dann in der Regel auch aus allen Kübeln. Die Stadt ist ziemlich versiegelt und so ströhmen binnen kürzester Zeit wahre Flüsse durch die Straßen, gerne in den hügeligeren Vierteln der Stadt und gerne reißen sie Müllsäcke und anderes nicht sicher angebrachtes Gut mit sich, man kann durch die Straßen waten. Dies verschlechtert sich mit dem sozialen Stand des Viertels, es geht wirklich Hand in Hand. Nun, bei der Regenmenge pro Zeiteinheit möchte ich aber auch einmal deutsche Abwassersysteme sehen, ich weiß nicht, ob die soviel besser abschneiden würden.

Ach ja: Und wenn mich noch einmal jemand fragt, warum ich keine Brasilienbräune trage und kaum gebräunter oder sogar noch weniger gebräunt bin als die Nordeuropäer im dortigen Sommer, der lege sich doch hier erst einmal bei über 30 Grad und beginnender Schwüle gemütlich mitten in der Stadt in die Sonne und schaue seiner Haut beim Verbrennen zu. Dazu geselle man sich doch auch noch bitte ein sehr hellhäutiges Baby und dann erkläre man mir, wie das zusammen passt. Und nebenbei, wenn fast jeden Tag die Sonne scheint, hat man auch irgendwann nicht mehr den Drang diese „ausnützen“ zu müssen, sondern mehr im Kopf, wie man sich vor mehr Sonne „schützt“.

Während des hiesigen Winters – der jetzt bald beginnt, aber noch befinden wir uns im Herbst – gibt es wochenlange sehr trockene Phasen in denen dann kein Tropfen Regen fällt, wochenlang bedeutet durchaus schon einmal 6-8 Wochen lang nicht. Dazu ist es gut warm, durchaus um die 28 Grad tagsüber und nachts liegt es dann so bei 17-19 Grad. Wer jetzt denkt, dass sei das optimale Wetter, der irrt. Zu diesen Temperaturen kommt nämlich eine furchtbare Trockenheit, so trocken, wie man sich das in Deutschland nicht vorstellen kann. Heute sollen es laut einer Freundin tagsüber nur 24% gewesen sein. Ich finde so schnell keine Bestätigung im Web – Angabe für die Feuchte in der Vergangenheit – aber „gefühlt“ kommt es schon hin, denn mir kratzt mein Hals und meine Augen schmerzen, viele Kinder vor allem schleppen Atemwegserkrankungen mit sich herum, die sich zäh halten, aus allen Ecken hustet´s und prustet´s, der kleine Mann ebenfalls und wir inhalieren drei Mal täglich.

Nur mal so zum Vergleich: So um die 20% Luftfeuchte existieren im Langstreckenflieger so ca. nach zwei Stunden Flugzeit.

In Sao Paulo kommt noch die elendige Luftverschmutzung dazu, die natürlich nicht besser wird, wenn der Mist nicht aus der Luft gewaschen wird. Regnet´s dann mal, sieht man vor allem in unserem gefliesten Hauswirtschaftsbereich im Garten (ja ja die Versiegelung! ich weiß, aber wir haben´s ja nicht so gebaut und auch nur gemietet) danach eine nette schwarze Partikelschicht, die sich um den Abfluss verstärkt.

Dann gibt es im Winter aber auch noch die naßkalte Phase immer mal wieder zwischendurch. Und wenn ich jetzt schreibe, dass ich wohl noch nie so am Stück gefroren habe, wie hier in Sao Paulo, dann nehmt und nehmen Sie mich jetzt bitte für voll, denn das liegt natürlich nicht an den tatsächlichen Kältegraden draußen, sondern an denen im Haus – oder wie viele von Euch und Ihnen wohnen gerne bei 17 Grad? Durchaus auch mal noch kühler, vor allem in den Bädern so um die 13 Grad? Die Häuser sind halt nicht so isoliert wie in Nordeuropa und das mag ja auch seine durchaus handfesten Gründe haben, aber das führt dann eben auch in den zugegeben „nur paar Wochen“ im Jahr dann auch mal zu so Kälteeinbrüchen im Haus. Es ist dann so, dass ich dick eingemummelt im Haus hocke und wenn ich nach draußen gehe, mich entpelle. Begegne ich dann draußen Leuten in Daunenjacken und mit Mütze auf dem Kopf bei fast gleicher Temperatur wie im Haus, dann frage ich mich immer entsetzt, was die wohl erst alles anhaben, wenn sie sich nicht mehr bewegen. Fairer Weise muss ich aber sagen, dass man fast so viele auch bei solchen Temperaturen nur mit T-Shirts bekleidet sieht, fast so viele.

Unsere brasilianischen Freunde machen sich immer über uns lustig, wenn wir wie die Schneider bei Feiern und Einladungen drinnen wie draußen ohne viel Bewegung frieren, während der Rest zum Großteil kaum anders gekleidet ist, als sonst auch, aber das muss man wohl einfach gewöhnt sein, so von Geburt an.

In vielen Häusern gibt es dann zwar Kamine oder man kann sich Gasöfen oder auch Elektroheizungen kaufen, aber da die Häuser nun einmal nicht entsprechend isoliert sind, müsste man schon permanent heizen, um die Wärme auch einigermaßen zu halten. Das erste Jahr über haben wir ja in einem Appartement gewohnt und dort habe ich an ein paar Tagen, wenn ich damals noch die Sprache lernend am Tisch saß oder zumindest wenn der kleine Mann gebadet wurde, eine Elektroheizung angeschaltet, für den Moment. Hier im Haus bin ich im letzten Jahr irgendwie drum rum gekommen, aber die kältesten Temperaturen haben wir wohl auch so gerade nicht mitbekommen, weil wir schon auf dem Weg nach Spanien waren. Das Haus ist aber viel größer und die Wärme würde sich noch viel weniger halten. Also bin ich schon gespannt, wie es dieses Jahr hier wird. Vielleicht schmeißen wir doch einmal den Kamin an?

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7 Gedanken zu „Vom Wetter

  1. So ähnlich ist es mir während des Studiums gegangen. Unsere WG wurde nur während des Winters beheizt vom Vermieter. Da kam es schon mal vor, dass man im Herbst bei miesem Wetter in seinem Zimmer saß, eine Decke, einen Pulli und ne Jacke brauchte, um nicht schrecklich zu frieren. Und wenn man dann raus kam, mußte man sich erst entpellen…das hab ich wirklich gehasst!Ihr habt einen Kamin!? Dann heizt doch ein!! Unser kleiner Schwedenofen ist mein liebstes Stück, ich heize jetzt noch ein, sobald die Temp. draußen unter 15° fällt 😉

  2. Jepp, genauso ist das und ich hasse das im Haus auch, wenn man dann mit halben Handschuhen am Laptop sitzt…
    Ich kenne Kamine nur aus meiner Kindheit und habe ehrlich noch nie bewusst gesehen, wie man so etwas anfeiert und habe ein wenig Sorge, dass ich uns hier die Bude voll qualme. Vielleicht sollte man auch vorher mal in den Kaminschacht sehen bzw. sehen lassen?

  3. Da kann ich dir einen Tip geben: unten im Keller müßte eine kleine Luke am Kamin sein von der aus man grandios von unten bis oben mit einer Taschenlampe reinschauen kann. Bei uns sah man sogar oben ein klein wenig Licht und somit wußten wir, dass der Kamin frei war und einem Feuer nichts im Wege stand. Ist doch in Brasilien sicher genauso, mit den Kaminen meine ich 😉 Ansonsten, wenn das Teil gut zieht, dann probier es unbedingt aus! Kaminfeuer ist doch genial gemütlich (übrigens hat unser Kleiner sehr schnell kapiert, was „heiß“ bedeutet!) !

  4. Hm, also irgendwie eine Luke am Kamin, am Besten eine, die unterhalb des Kamins angebracht ist? Einen Keller gibt es hier nämlich nicht, ist sehr unüblich, wenn, dann gibt es Tiefgaragen unter Hochhäusern. Muss ich mir morgen mal ansehen – frente fria chegou! (Die Kaltfront ist da.) Es gewitterte heut am sehr frühen Abend und jetzt ist´s kühl, hoffentlich hört´s bis morgen nachmittag auf, damit ich die Kinderheim-Kinder abholen fahren kann, austoben vor dem langen WE täte denen bestimmt gut.
    Aber danke für Deinen Hinweis! Ich glaub auch, dass es relativ ungefährlich mit dem kleinen Mann ist so lange es zündelt und erst evtl. schwierig wird, wenn nur noch Glut da ist. Mal sehen, vielleicht muss ich das auch nicht unbedingt allein ausprobieren, sondern warte, bis der große Mann Ende nächster Woche wieder da ist… – wenn´s bis dahin nicht wieder von außen warm ist 😉

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