Bandscheibenvorfall – ein Tag in Stichworten – Abschied

  • Wir haben noch genau 42 Stunden bis wir im Flieger zurück nach Deutschland sitzen sollten. Mit unendlich viel Gepäck – schließlich kehren wir mit Hab und Gut zurück.
  • Eigentlich relativ gut im Zeitplan liegend (wie am letzten Beitrag auch abzusehen, waren aber noch einmal bürkratische Hürden aufgetaucht…), stand alles erst einmal um 11h Ortszeit still. So im wahrsten Sinne des Wortes: Ich lud Katzenfutter-Beutelchen in den Kofferraum (ca. 300g schwer, zusammen), machte eine Drehung vom Einkaufswagen zum Kofferraum und zuckte zusammen, weinte, hielt den Atem an, schrie und jammerte.
  • Kind weinte solidarisch mit.
  • Eine Stunde später waren der große Mann und ich im Krankenhaus. Der kleine Mann blieb bei F. – was ein Glück, dass wir sie noch haben!!!
  • Im Erste-Hilfebereich des Krankenhauses war zum Glück nicht viel los und wir kamen schnell an die Reihe.
  • Zuerst wollte der diensthabende mir zwei Tabletten (eine entzündungshemmende und eine schmerzstillende) verabreichen und mich dann zwei Röntgenbilder machen lassen, aber nachdem wir wieder weinte als ich erneut versuchte mich in den Rollstuhl zu setzen und mein rechtes Bein auf die Ablage zu hieven, entschied er sich für eine Infusion mit was Stärkerem.
  • Ca. eine dreiviertel Stunde weiter sackte ich mit starker Kreislaufschwäche nach dem ersten Röntgenbild zusammen – das sollte auch leider das Einzige sein, was das Schmerzmittel verursachte, die Schmerzen blieben konstant, übrigens kurz über dem Po, und hinzu kam irgendwann noch ein ins linke Bein strahlender Schmerz.
  • Als ich nach einer halben bis dreiviertel Stunde wieder einigermaßen zurecht war, wurde eine Tomografie gemacht.
  • Wartend auf die Bilder und auf ein verspätetes Mittagessen döste ich immer mal wieder weg.
  • Nach den Bildern stand fest: Bandscheibenvorfall. Ist aber nichts neues für mich, dass hatte ich mit 16 Jahren schon einmal, auch im selben Lendenwirbel-Bereich. 😦
  • Schonsitzend waren die Schmerzen auszuhalten, weshalb der Arzt (ein anderer als am Anfang, Schichtwechsel) mich mit einem Rezept für ein Schmerzmittel und einen Entzündungshemmer entlassen wollte – immerhin fliegen wir am Mittwoch und seine Empfehlung ist, sehr schnell in Deutschland nach dem Flug zum Orthopäden zu gehen. Seiner Einschätzung nach reicht eine Physiotherapie als Behandlung aus.
  • Infusionszugang wurde gezogen von einem Krankenpfleger und ich versuchte aufzustehen und zu gehen – die Schmerzen waren unverändert stark und ich konnte meine Beine kaum anheben. Daraufhin informierte der Pfleger den Arzt erneut, weil sie einen Patienten wohl ohne Schmerzbesserung nicht entlassen dürfen. In meinem Fall würde der Schmerz wohl nicht ganz weg gehen, aber gelindert werden könne er schon.
  • Arzt kam zurück und spielte einige weitere mögliche Medikamente durch, aber die üblichen für diese Art vertrage ich alle nicht. Trotzdem fand er noch eine Möglichkeit (danach wäre nur noch was aus der Familie der Morphine möglich gewesen) und mir wurde ein zweiter Infusionszugang gelegt.
  • Deren Schnelligkeit musste stark verlangsamt werden, weil das Mittel mir die Vene „anbrannte“, aber dann lief es brav ohne „brizzeln“ durch und verringerte sogar meine Schmerzen soweit, dass ich wieder Treppen gehen kann. Macht zwar keinen Spaß und wird von Mal zu Mal wieder unangenehmer, aber nun ja.
  • Wir zahlen die Rechnungen hier erst einmal immer privat und so muss man nach der Behandlung auf die Abrechnung warten und zahlt dann in der Regel mit der Kreditkarte. (Vor der Behandlung muss man auch erst registriert werden.) Leider waren meine ganzen Untersuchungen nicht richtig im System erfasst, weil ich ja einmal schon „ausgeloggt“ worden war und so stand eine erneute Wartezeit an. Mag so dreiviertel Stunde gewesen sein.
  • Verlassen haben wir das Krankenhaus um 20h rum. Drinnen war ich demnach ca. acht Stunden gewesen…
  • Kurz nach der Tomografie fuhr der große Mann nach Hause, weil er nachmittags einen Termin mit der Gewerkschaft wegen seines Ausscheidens aus der Firma hier hatte. Das ist Standard und man wird jede Menge Sachen gefragt, ob man immer sein Geld erhalten hat und nicht ausgebeutet wurde. Notwendig in einem so großen Land wie Brasilien, wo auf den Zuckerrohrfeldern im Inland wirklich noch sklavenähnliche Zustände vorhanden sind…
  • Kleiner und großer Mann kamen mich abholen. 🙂
  • An der Apotheke zu hause angekommen, stellten wir fest, dass ein Zettel an der Kasse des Krankenhauses liegen geblieben war: Und zwar der mit dem verschriebenen Schmerzmittel. Die Apothekare, die mich durchaus kennen, konnten als Angestellte dieses Medikament, dessen Namen ich behalten hatte, aber nicht ohne Rezept raus geben. Selbst nicht nach Schilderung unserer Situation: 8 Stunden im Krankhaus, immer noch Schmerzen, mitten im Umzug und verlorenem ganzen Packtag bei nur noch verbleibenden 12 Stunden (zu dem Zeitpunkt, jetzt nur noch 10 einhalb) bis die Kisten von der Umzugsfirma abgeholt werden.
  • Haltlos heulend und Schei.ße rufend verließ ich die Apotheke. Eine Dame an der Kasse wartend zuckte dabei erschrocken zusammen. Wahrscheinlich habe ich wie eine Drogenabhängige gewirkt.
  • Der Arzt, der mir das Rezeot zusammen gestellt hatte, war natürlich mittlerweile auch nicht mehr im Krankenhaus und dort hieß es, dass ich demnach erneut von dem nun Diensthabenden untersucht werden müsse. Vielleicht kann sich jemand meiner Leser meinen Gemütszustand nach dem schon diesen Tag Erlebtem vorstellen… Und das Krankhaus ist nicht sooo ganz mal eben um die Ecke…
  • Der große Mann hat aber heldenhaft von Zuhause aus die Privatrufnummer des Arztes, der mir das Rezept ausgestellt hatte, heraus gefunden, diesen angerufen und gebeten, für uns im Krankenhaus ein Wort einzulegen. Erfolgreich: Nur der große Mann musste noch einmal hin und her und das Rezept abholen, zur Apotheke, deren Mitarbeiter wohl sehr erleichtert waren, als er mit dem Rezept vor ihnen stand. Ich hatte ihnen wohl sehr leid getan.
  • Während ich dies schreibe, scheint mir von dem so herbei gesehnten Mittel schlecht zu werden. (Cloridato de tramadol + Paracetamol)
  • Hier sieht´s aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, fast. Unten ist alles schon in Ordnung, aber hier oben tummelt sich noch letzter „Kleinmist“, die Spielzeuge des kleinen Mannes, die Musikanlage samt CD´s. Dann müssen noch bruchsicher einige Bilder verpackt werden. Morgen um 10h unserer Zeit, also bei Euch 15h, kommen die Leute vom Umzugsunternehmen und werden mit dem Einladen beginnen. Wahrscheinlich mais ou menos um 10h, denn es regnet und verkehrstechnisch bedeutet das hier immer den Verkehrkollaps hoch Zwei.
  • Ach ja: Bis Mittwoch Ortszeit 15h muss dann auch unsere Wäsche in Koffern stecken, samt ein paar nicht verzichtbaren Spielsachen des kleinen Mannes, ein paar Geschenken und Mitbringseln sowie diversen Badsächelchen.
  • Mit diesem Eintrag melde ich mich denn auch einmal ab und schreibe: Bis in vier Wochen oder so, wenn wir in Deutschland Internetzugang bekommen sollen. Noch bin mir nicht sicher wie und ob es dann hier überhaupt weiter geht. Ich verbinde diesen Blog sehr mit Brasilien und bin mir nicht sicher, was ich von Deutschland aus dann noch über dieses Land zu schreiben haben werde. Eigentlich sollte an dieser Stelle jetzt ein Eintrag mit der Überschrift „Tausend kleine Abschiede“ gestanden haben. Da ich aber leider heute noch einmal unbedingt ausführlich Abschied von dem Krankenhaus nehmen musste, in dem der kleine Mann zur Welt kam, fällt der jetzt hintenrüber. Wahrscheinlich wäre er sehr emotional geworden…
  • Bedanken möchte ich mich noch bei jeder meiner KommentarInnen hier! Ohne Euch hätte es mir nicht so viel Spaß gemacht und vielleicht hätte ich auch irgendwann die Lust am Bloggen verloren, ohne Euch. Nur mit Euch ist dies zu einem lebhaften Ort geworden. Muito obrigada!
  • Ciao Ciao, macht es also gut da draußen! Als Leserin zumindest werde ich der Blogwelt wohl nicht Lebewohl sagen können, vielleicht aber als Schreiberin… Man wird es sehen. Schlauer. Hoffentlich. In ca. vier Wochen.
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11 Gedanken zu „Bandscheibenvorfall – ein Tag in Stichworten – Abschied

  1. Erstmal Dir eine gute Besserung! Ich hoffe, Du wirst den Flug und vorher das Packen einigermaßen gut überstehen. 🙂

    Dann wünsche ich Euch einen verdammt guten Umzug und eine schöne Rückkehr. Soll ja in Deutschland in einigen Teilen sogar fast annähernd warm werden 😉 So 17-20 Grad.

    Ich verabschiede mich dann auch mal von diesem Blog in dieser Form. Ja, er hat (bisher) nichts mit Deutschland zu tun. Aber ich würde mich freuen, wenn Du ihn auch von Deutschland aus füllen würdest, denn die Unterzeile Deines Blogs passt auch darauf 🙂 Deutschland als nächster Teil der Globalisierungsnomaden. Warum nicht? Ich würde mich freuen.

    Danke für die Geschichten!

  2. Na sag mal, du machst ja Sachen und das ausgerechnet jetzt 😦
    Hoffentlich geht es dir schnell besser, ihr habt ja noch viel vor in nächster Zeit.

    Ich würde mich freuen, würdest du auch als Bloggerin erhalten bleiben, ich habe dich immer sehr gern gelesen 🙂

    Habt einen guten Flug und landet sicher in der alten Heimat. Ich werde an euch denken und die Daumen halten, dass alles gutgeht.

  3. Liebe Chrizzo,

    die Geschichte hört sich alles andere als schön an. Ich bin beim Lesen doch wirklich etwas erschrocken, und ich vermag mir gar nicht vorzustellen wie man sich in so einer Situation fühlt. Ich wünsche Dir auch ganz schnelle Besserung und alles alles Gute für Eure letzten Stunden in Brasilien. Habt einen guten Flug und eine wunderschöne Ankunft in Deutschland. (Ich weiß nicht, wo ihr dann seid, aber hier im Süden ist gerade allerherrlichster goldener Oktober.)

    Ich kann Dich sehr gut verstehen, dass Du Dich vorerstmal von diesem Blog verabschiedest. Ich habe in Finnland angefangen zu bloggen für Freunde und Familie und wusste daheim angekommen auch erstmal nicht, was ich jetzt eigentlich damit machen soll. Aber Du schreibst so schön, ich fand Deine Berichte und Geschichten immer sehr interessant und spannend, deshalb würde es mich sehr freuen, auch in Zukunft von Euch zu hören. Vielleicht finden sich ja doch neue Inhalte, meistens siegt doch das Mitteilungsbedürfnis. 😉

    Alles Gute!

  4. Liebe Chrizzo,

    das mit Deinem Rücken ist natürlich eine verd****te Sch****, konnte nicht passender kommen als jetzt *ironieoff*.

    Ich wünsche Dir gute und schnelle Besserung, eine gute Reise zurück nach Deutschland und eine baldige Wiederkehr nach Bloghausen. Vielleicht nicht in diesem Blog, sondern in einem anderen „Ex-Brasilien-Blog“ oder so.

    Aber lass Dich bitte weiterhin blicken! Alles Liebe!

  5. Oh Gott ich heul gleich… Zu allem Überfluss war ich selber unterwegs und habe Eure Abreise verpasst und ich wollte Euch doch so gern verabschieden und Gute Reise wünschen…
    Ich hoffe es geht Dir schon viel besser!
    muitos beijinhos jo

  6. Zu spät aber doch voller Anteilnahme gelesen. Es ist enorm was Du noch alles so im Stress und mit Schmerzen leistest.
    Gib gut auf Deinen Rücken acht. Der ist wichtiger als alles andere. Wir laden uns oft zuviel auf.

  7. Pingback: TestTestTest « Chrizzonik

  8. Pingback: Und so schließt sich wieder ein Kreis « Chrizzonik

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