Spannend

… finde ich es immer auf dem Weg zum Flughafen: Wird man rechtzeitig da sein und den Flieger bekommen? Dazu muss man wissen, dass ich mit einem Mann verheiratet bin, der es auf die Spitze treibt möglichst spät am Flughafen zu erscheinen, damit er keine Zeit „verliert“. Gut, er fliegt beruflich viel, wahrscheinlich wäre ich da nach einiger Zeit auch so drauf. Aber ich, ich fliege eigentlich gar nicht so viel. Erst mindestens einmal im Jahr, seitdem ich den großen Mann gerheiratet habe.

Hier in Brasilien ist es auf dem Weg zum Flughafen dann immer besonders aufregend, denn zwischen unserem normalen Aufbruchsort in Sao Paulo (dem Viertel, in dem wir damals auch gewohnt haben) und dem Flughafen liegen einige Kilometerchen (Diminutiv wird in Brasilien sehr viel genutzt, bin jetzt erst einmal wieder infiziert, nicht wundern) und eventuell noch jede Menge andere Menschen in der ca. 15 Millionen-Stadt und deren Autos, Taxis oder Busse, Lastwagen, Polizeiwagen, Handkarren, Motorräder und weiß der Himmel noch für Gefährten, sprich Stau.

Dieses Mal kommt noch jede Menge Wasser dazu. Gestern Nacht hat es in nur 5 Stunden so viel geregnet wie sonst nur in 15 Tagen im Januar. Mittlerweile sind wegen Erdrutschen und anderem schon 8 Menschen ums Leben gekommen und viere vermisst. Es gab Menschen, die 9 Stunden in ihrem Auto ausgeharrt hatten, weil es nicht mehr vor noch zurück ging. Den ganzen heutigen Tag über war Stau in der Stadt und ein Teil der Stadtautobahn, die Marginal Pinheiros stundenweise gesperrt. Und diese Nacht soll es wieder regnen. Und morgen tagsüber auch.

Und wir brechen dieses Mal nicht von innerhalb der Stadt Sao Paulos auf, sondern ca. 140 km entfernt vom Litoral Norte, dem nördlichen Strand vom Bundesstaat Sao Paulo. Unser Flieger geht erst abends um 20h. Wir hatten schon ohne Regen geplant morgens zwischen 10 und 11 Uhr loszufahren. In Sao Paulo noch einmal gemütlich Mittag zu essen und danach noch ein paar Andenken in Form von Lebensmitteln einzukaufen. Ich wäre dann morgen untröstlich, wenn wir das canceln müssten und direkt zum Flughafen aufbrechen müssten, so ohne brasilianischen Kaffee und speziellen Süßkram von hier…

Es wird also spannend.

P.S.: Einen dicken und herzlichen Geburtstags-Glückwunsch an meine Mama! (Ich denke, Du liest das erst morgen, am 22., daher kann ich das schon so schreiben.) Lass Dich ordentlich feiern und hab einen tollen Tag!!! Wir denken an Dich und vermissen Dich! (Nur, falls wir hier demnächst auf Grund des Regens internettechnisch von der Außenwelt abgeschnitten sein sollten… Alles schon vorgekommen, noch zuletzt heute morgen.)

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Ein hallo aus unserem Brasilien-Urlaub sende ich Euch!

Wir fühlen uns pudelwohl, genießen das Land und die Leute, aber vor allem Freunde und das Essen und die Früchte und erst die Säfte daraus. Mittlerweile befinden wir uns auf unserer zweiten und letzten Station am Strand. Von dem kann ich noch mit keinem Foto aufwarten, aber dafür mit einem vom 09.01. als wir in einem der Sportclubs (in dem wir noch bis Oktober 2008 selber Mitglied waren, über die Sportclubs muss ich noch einmal detaillierter schreiben) von Sao Paulo gewesen sind.

Edit: Wow, hier hüpft grad gemächlich ein braun-grauer Frosch, handgroß, durch den Raum, in dem wir morgen auch frühstücken werden… Und die Kamera ist natürlich weit weg im Zimmer. *jammer*

Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…

Schönes Wochenende

Für dieses Wochenende haben wir eine Einladung nach Campos do Jordao, das ist ein Ort hier im Bundesstaat Sao Paulo, der in den Bergen der Serra da Mantiqueira liegt. Dementsprechend frischer ist es dort. Für heute morgen zeigte mir die Wettervorhersage ein „Eis“-Symbol und vorhergesagte 2 Grad… Da können wir uns ja schon einmal schön an den deutschen Herbst gewöhnen. 😉

Jetzt habe ich mir soeben von einer Freundin warme Fleecejacken ausgeliehen, weil ich sowas damals gar nicht mit hier hin genommen habe, alles ist gepackt und in zwei Stunden geht es los.

Leider habe ich immer noch nicht das Ladegerät vom Fotoapparat gefunden… Das habe ich ja mal wirklich „sehr gut“ weg gelegt, damit ich es schnell und unproblematisch wiederfinden kann… *augenroll*

Aber noch ist ja Zeit zum Suchen. 🙂

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende!

Nachtrag: Gerade noch rechtzeitig eine halbe Stunde vor der Fahrt das Kabel gefunden!!! 🙂 🙂 🙂 Dann gibt´s nach dem WE auch wieder Fotos.