So süß!

Während ich mich noch einmal herum drehen konnte am Sonntagmorgen, machten der große und der kleine Mann zusammen „Rollkuchen“ in der Küche. Während der große Mann den Frühstückstisch deckte, klaute der Kleine zwei Löffel und zwei Joghurts vom Tisch und brachte diese ins Schlafzimmer. Einer war für ihn, der andere für mich. 🙂 Ich war und bin echt baff, wie er auf die Idee gekommen ist, denn normaler Weise essen wir nicht im Bett, das mag nur eine handvoll Male so gewesen sein, wenn zum Beispiel jemand krank gewesen ist und das war also mindestens das letzte Mal in Brasilien, so ca. 3 Monate her. Könnte aber jeden Sonntagmorgen so sein. 😉

Wer hat eigentlich eine Idee, was „Rollkuchen“ sein könnte? Ist aber kein Kuchen im eigentlichen Sinne.

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Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…

Sonntagsblicke

Blick Sonntags morgens um 10 Uhr rum von der Skye-Bar aus. Da waren wir heute morgen nur frühstücken. Abgestiegen sind wir da leider nicht. 😉 Wir bleiben bis zum Schluss hier im Haus. Eingepackt ist mittlerweile auch alles außer den Kinderspielsachen und diversen Kleidungsstücken. Im Augenblick mache ich eine Pause vom Wühlen durch die millionen Tarife für Festnetz, Internet und Handy in Deutschland. Himmel! Ich werde davon verrückt. Was gibt es da mittlerweile für einen Dschungel. Und erst einmal diese für vollständige Informationen Suchende unfreundliche Internetseiten!!! Fußangelnote hier und da auch noch und bei Klick dorthin und wieder zurück noch einmal drei weitere. Oder so ähnlich. Und ich beherrsche ja zum Glück die geltende Amtssprache Deutschlands… Nun, mittlerweile haben wir uns erfolgreich durch gekämpft und Handy, Festnetz und Internet bestellt. Die Wartezeit auf das Internet wird allerdings ca. 4 Wochen betragen… 😦

Durch das ungewohnte Tragen von leichten Absätzen auf diversen Abschieds-Events habe ich mir nun immer stärker werdende Rückenprobleme eingefangen… Falls jemand einen guten Tip gegen beginnenden Hexenschuss hat, nur her damit.

Heute Abend haben wir uns dann noch einmal diesen Blick vom Italia-Hochhaus gegönnt:

Abendstimmung an der Stadtautobahn

sao paulo - marginal

sao paulo - marginal

sao paulo - marginal no.2

sao paulo - marginal no.2

lieblingsbild der fahrt - sao paulo - marginal no.3

lieblingsbild der fahrt - sao paulo - marginal no.3

sao paulo - marginal no.3 - neue brücke

sao paulo - marginal no.4 - neue brücke

luxus-shopping cidade jardim

luxus-shopping cidade jardim

Aufgenommen auf der Fahrt am letzten Sonntag. Die Hochhäuser über dem Shopping stehen gerade noch im Bau und zur Zeit kann man dort noch Appartements kaufen. Sie gehören selber also nicht zum Shopping, das ist das kleine Gebäude im Vordergrund, allerdings nur eine Stirnseite davon.

Sonntagsausflug

Ein wenig verspätet, aber als wir zu Hause ankamen, hat es nicht mehr lang gedauert ich lag auch flach mit diesem Magen-Darm-Virus.

Nachdem der kleine Mann nur morgens einmal ein wenig gespuckt hatte und sonst alles drin geblieben war, beschlossen wir nachmittags zumindest einen kleinen Ausflug mit dem Auto durch die Stadt zu machen.

innenstadt

sao paulo - innenstadt

Nachdem ich diese Ecke fotografiert hatte, folgten wir einer Retorno-Beschilderung, weil der große Mann links eine interessante Hochhäuser-Formation in der Abendsonne entdeckt hatte. Also bogen wir rechts ab, die nächste wieder links und fanden uns unvermittelt mitten in der Crackolandia-Szene Sao Paulos wieder. Der große Mann war so gebannt, dass er vergaß, die nächste Straße erneut wieder links abzubiegen (und auch meiner Aufforderung dazu nicht nachkam). So fuhren wir einmal komplett diese Straße hinunter. Links und rechts flankiert von zwielichtigen, herunter gekommenen, armen Gestalten, Menschen und Hunden. Ehrlich gesagt, war mir leicht panisch zu Mute… Vielleicht fuhren wir maximal zwei Minuten diese Straße hinunter bis wir endlich abbiegen konnten und aus der Zone raus kamen, aber mir kam das wie eine kleine Ewigkeit vor.

Ansonsten sind dann an anderer Stelle noch ein paar schöne Abendstimmungs-Bilder entstanden, denn wir haben dann nicht mehr versucht, an unsere Ausgangsstelle zurück zu kommen…“Bom Retiro“ ist übrigens das Stadtviertel, in dem sich früher bevorzugt die Libaneses angesiedelt haben. Wir haben darüber allerdings keine besonderen Spuren im Viertel gesichtet. Vielleicht waren wir aber auch nur an den falschen Stellen.

Die sehr stimmungsvollen Fotos zurück auf der Stadtautobahn zeige ich ein anderes Mal.

sao paulo - innenstadt

sao paulo - innenstadt

sao paulo - altbau i.d. innenstadt

sao paulo - altbau i.d. innenstad

alter bahnhof

bahnhof estacao da luz, 19. jhd.

willkommen im viertel bom retiro

willkommen im viertel bom retiro

balkonkunst

balkonkunst

schön bunt

schön bunt

etwa auch kunst?!

etwa auch kunst?!

So ist´s heut in Sao Paulo

12 Grad, bewölkt, ab und an nieselnd.

sao paulo, marginal 30.08.2008

sao paulo, marginal 30.08.2008

Blick von der Ponte Morumbi (einer alten Brücke) auf die neue Brücke (deren Namen ich mir noch nicht behalten kann…).

Links und rechts von dem DrecksstinkFluss führt die Haupt-Stadtautobahn entlang. Auf diesem Bild auf der rechten Seite nur in Richtung Norden und auf der linken Seite nur in Richtung Süden. Jeweils 7-8 Spuren. Es gibt einige „Express“-Spuren (mit max. erlaubten 90kmh), die führen direkt am Fluss entlang und man kann nur immer nach einem bestimmten Abschnitt rechts überwechseln auf die sogenannte „Lokal“-Spur (mit 70kmh), von der aus man immer rechts in die angrenzenden Stadtviertel abfahren kann.

Vom Vormittage

Um 7.55h aufgewacht und es geschafft inkl. 20 Minuten in Ruhe frühstücken um 9h mit Kind und Katzen im Auto zu sitzen.

Um 9.20h schon bei einem von zwei Veterinariern Veterinären (Ja danke auch! Hätte mich bitte da nicht mal jemand drauf hinweisen können?!) in Sao Paulo gewesen, die in Europa anerkannte Mikrochips setzen können und außerdem das Blut für den Tollwut-Titter-Test entnehmen.

Unschöne Wartezeit mit vielen lauten Hunden (und ich mag Hunde… sonst). Einer pisst vor die Empfangstheke, das Herrchen, eine Sie, hat es nicht nötig, den Damen Bescheid zu geben. Was wiederum ich dann nicht lassen konnte. Weggewischt wurde es dann als wir gingen.

(Cousinchen, erinnerst Du Dich noch an eine meiner ersten Wohnungsbesichtigungen am geliebten Studienort mit Dir zusammen?! Da pisste doch das Hündchen der Begleitungsfrau des Eigentümers auch kommentarlos in den Hausflur… Die Wohnung nahm ich dann ja auch zum Glück nicht, obwohl die uns doch so bequatschten…)

Banu und Chia haben jetzt in ihrem Nacken jede einen Chip mit einer Endlosnummer zur Identifikation sitzen. Gesetzt wurde der übrigens ohne Narkose. Beide waren ganz tapfer.

Übrigens in einem kleinen, sehr kleinen Raum, in dem schon fünf, ich meine f ü n f Erwachsene zugegen waren als wir, der kleine Mann und ich, mit den Katzen in ihren Transporttaschen noch dazu kamen.

Banu schaffte es dann doch beim Blutabnehmen sich einmal rauszuwinden – und das bei f ü n f Erwachsenen, die irgendwie mit ihr beschäftigt waren.

Der kleine Mann hat ganz lieb die ganze Warterei mitgemacht.

Um 10.30h stelle ich beim Verlassen fest, dass ich das Blut der Katzen in die Hand gedrückt bekommen habe und selber zu einer anderen Stelle, einem Labor, fahren darf. Immerhin gibt es erst seit kurzer Zeit überhaupt die Möglichkeit in Brasilien das Blut testen zu lassen – so dass es auch in Europa anerkannt wird (davor musste man es entweder in die USA oder nach Europa senden).

Ich steuere das Büro des großen Mannes an, denn wir müssen noch die Autos tauschen, da doch mein Auto heute Rodízio hat und deshalb der große Mann heldenhaft früh aufgestanden ist und mit meinem Auto vor der gesperrten Zeit ins Büro ist.

Er kommt auf die geniale Idee einen Motoboy (die fahren hier anstelle der in Deutschland tätigen Fahrradkuriere, die Stadt ist einfach zu groß, allerdings leben diese sehr gefährlich auf den Straßen hier, pro Tag soll statistisch betrachtet einer ums Leben kommen, gelinde ausgedrückt, ist das Verhältnis auf den Straßen zwischen Motoboys und Autofahrern ein wenig arg angespannt, man bekommt schon mal Seitenspiegel abgetreten oder eins „auf´s Dach“, wenn sie meinen, man hätte ihnen nicht genügend Platz gelassen, üblicher Weise fahren sie _zwischen_ der Spur ganz links und der nächsten, auch im Stau in einem Affenzahn durch, oder auch sonst wo gerade Platz ist) mit dem Blut der Katzen zu schicken anstelle mich, den kleinen Mann und die beiden Katzen irgendwo hinfahren zu lassen, wo ich mich gar nicht auskenne.

Immerhin sind wir schon um 11.30h wieder Daheim und das bisher sehr liebe Kind beschließt, dass es jetzt lang genug lieb gewesen ist. Na zum Glück dauerte es nicht mehr lang bis zum Mittagsschlaf, der auch noch andauert.