Morgens dann

Nachdem es den Abend zuvor nicht mit dem Frosch und einem Foto geklappt hat, dann zur Entschädigung heute morgen direkt beim Raustreten dieses Insekt entdeckt. Nachdem ich es vorsichtig mit Stöckchen umdrehte, merkte ich, dass es noch lebte und machte schnell noch ein weiteres Foto von oben bevor es dann auch schon über den Zaun zurück in den Mata Atlantika entschwirrte. Für die Umdrehung habe ich übrigens die Katze im Verdacht. Ich hatte sie noch vom Bett aus vor unserer Tür mehrmals miauen gehört. Wahrscheinlich hat sie mit dem Brummer gespielt.

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Thema Kinder-Fremd-Betreuung

Eigentlich habe ich dort noch einen Kommentar zum Thema Kinder-Fremd-Betreuung und ab welchem Alter diese nun gut ist hinterlassen wollen, der bislang aber nicht freigeschaltet worden ist. Daher dachte ich mir, ich veröffentliche meine Ergänzungen dazu einfach direkt hier:

Ein bißchen spät mein Kommentar, aber ich bin erst jetzt [gestern um genau zu sein, Beitrag in dem Blog stammt vom 19.10.] drauf gestoßen und da hier bestimmte Dinge noch nicht erwähnt wurden, ergänze ich mal ein bißchen zur Geschichte der Kindergärten in Deutschland.

Die Kindergarten-Idee stammt somit also aus dem 19.Jhd. – so furchtbar viele Generationen wie beschrieben haben demnach noch gar nicht in Kindergärten ihr Kleinkind-Alter verbracht. Vor dieser Zeit lebten die Kinder neben ihren zum Beispiel als Bauern oder Handwerker arbeitenden Eltern her, beaufsichtigten sich gegenseitig oder wurden von den Eltern, Großeltern, Nachbarn etc., wer gerade da war mit einem Auge bei ihren täglichen Aufgaben bedacht. Diese Kinder wurden tatsächlich schon sehr viel früher erwachsen als unsere heutigen… Es gibt da ja auch so dustere Kapitel wie Kinderarbeit hier in Europa und sogar in Deutschland…
Der von Frau Brüllen empfohlene Blick ins Ausland ist auch nicht so verkehrt. Wir lebten bis letztes Jahr für ganze drei Jahre in Brasilien. Dort arbeitet “frau” bis zur Geburt und hat danach gerade einmal 8 Wochen Mutterschutz. Egal in welcher Schicht die Frauen gehen danach in der Regel direkt wieder arbeiten, alle aus finanziellen Gründen [Oberschicht ausgenommen]. Die Kinder der unteren Schichten beaufsichtigen sich entweder gegenseitig auf der Straße oder werden von älteren Nachbarn, wer gerade arbeitslos ist  o.ä.beaufsichtigt. Die Kinder ab ungefähr Mittelschicht haben Kindermädchen oder die Großeltern. Dort gibt es andere “Probleme” mit den Kindern, aber die Pubertierenden z.B. lehnen sich nie so stark gegen ihre Eltern auf, wie es die im selben Alter hier in Deutschland tun. Es herrscht mehr Respekt im Umgang miteinander. Ich habe das Gefühl, weil es für die brasilianischen Jugendlichen immer etwas “Besonderes” darstellt, wenn die Eltern Zeit haben. Diese Zeit ist zu schade um mit den Eltern zu streiten bzw. einfach sehr wertvoll. Besonders gestört sind mir die Jugendlichen dort nicht vorgekommen.

Handfeger versus Tischfeger

Jeden Morgen wenn ich den Handfeger benutze um die Katzenstreu-Krümel zusammen zu kehren, zaubert sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich denke dann an Brasilien und unsere F. und den Gärtner an einem schönen sonnigen und warmen Morgen in Brasilien. Der Gärtner war zum ersten Mal bei uns und ich hatte ihm den Handfeger raus gelegt, den er erst gar nicht benutzen wollte. Als er vorne mit dem Zusammenfegen fertig war, gab er F. den Handfeger wieder mit hinein und sagte ihr ganz behutsam, dass er diesen auch quasi gar nicht, nur ein bißchen, benutzt habe und sie ihn drinnen jetzt wieder haben könne. F.s Gesicht dazu war göttlich erstaunt und angeekelt zugleich; denn in Brasilien gibt es in dem Sinne gar keine Handfeger, sondern nur _Tisch_feger. Die Dinger sehen genauso aus wie unsere Handfeger, heißen aber Tischfeger und werden nur dazu benutzt, die Speisekrümel vom Tisch zu fegen. Ergo fegt man mit den Tischfegern nicht über den Boden und schon gleich gar nicht draußen. Außer eben in unserem deutschen Haushalt, aber das konnte der Gärtner natürlich nicht wissen und ich hatte bis zu dem Moment auch schon wieder vergessen, dass Tischfeger auf dem Boden Tabu waren und verstand so erst im Nachhinein, warum der Gärtner den Handfeger erst nicht annehmen wollte.

Und jetzt könnt Ihr und Sie Euch bestimmt die Geschichte quasi andersrum vorstellen: An einem der ersten Tage F.s bei uns, als ich sie sah, wie sie mit dem Handfeger die Frühstücks-Krümel vom Tisch fegte… Nachdem ich zuvor schon ca. 7 Monate lang die Katzenstreu-Krümel vom Boden zusammen gefegt hatte. Nach einer Erklärung hat sie das natürlich nie wieder gemacht.

Heutiger Tag vor allem kulinarisch

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  • Rosenkohl mit Muskat und Basilikum würzen (neben Brühe, Salz und Pfeffer) und dann in Sahne ertränken ist super lecker – leider bisher nur für mich, na ja kann ich morgen noch einmal von essen
  • Wie gesagt, meine „eigenen“ Rezepte (also über ein paar Jährchen gesammelte für leckerst empfundene) sind noch in Kisten verschollen und so backte ich heute nach dem Rezept vom Traumberg diese „Naschkekse“ (oder auch Ausstecherle genannt), für die ich bisher eh noch kein Rezept hatte, die aber ja nun mal mit Kindern der Klassiker sind. Lecker sind ´se geworden (wenn auch ein wenig zu lang in meinem Ofen, 10-12 Minuten reichen da wohl) und authentisch wie im Rezept mit saurer Sahne zubereitet. Den Tip für das Rezept habe ich übrigens von Frau Antonmann. Und Kari hat mir netterweise heute auch noch in Sachen Plätzchenrezepte weiter geholfen – vielen Dank, jetzt kann es hier ja losgehen. *g*
  • Unsere Deko wird auch so nach und nach umgestellt, aber irgendwie habe ich im Keller auch nur einen Teil in einer kleinen Kiste ausgemacht. Da fehlt noch einiges, aber so „richtig-richtig“ ist mir noch gar nicht danach. Der Engel und der immer noch halb fertige Adventskalender in der Küche kamen mir am Anfang schon sehr komisch vor. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Vorweihnachtszeit und auch Weihnachten in den letzten Jahren so in ganz anderen Breitengraden verbracht haben. Und auch mit deutlich weniger Schmuck.
  • Dem kleinen Mann geht es besser, sprich, das Fieber ist runter bis auf erhöhte Temperatur, aber Schnupfen und Husten begleiten ihn noch. Ich fühle mich zwar ab und an auch ein wenig angeschlagen, aber ein Salbei-Bonbon hin und wieder kann beginnende Symptome bisher vertreiben. Es fühlt sich so an, als wenn der Rückzug nach Europa mit weniger Infekten verlaufen wird für uns. Als wir vor drei Jahren nämlich nach Brasilien gingen war ich das erste Jahr über mehrmals wirklich sehr sehr vergrippt, so schlimm, wie ich es auch aus Kindheitstagen nur noch vage in Erinnerung hatte. Das war ganz schön anstrengend erst schwanger und dann stillend. Beim großen Mann zumindest flaute die Infektrate damals schon ab, war er doch schon das dreiviertel Jahr vorher immer hin und her geflogen und in der Zeit ständig erkältet gewesen. Anscheinend mussten sich unsere Körper an die in Brasilien herum schwirrenden lokalen Erreger erst einmal anpassen.

Sonntagsschnipsel

  • Fiebernder, viel schlafender kleiner Mann mit Schnupfen und Husten. Schläft so tief, dass er denn schrill klingelnden Wecker soeben neben dem Kopfende überhört.
  • Zwei Stunden extremst schrubben in der neuen Wohnung einer der lieben Freundinnen, die uns auch in Brasilien besucht haben. Blöder Nikotin! Festgestellt, dass Ränder bleiben, so dass jetzt doch neu gestrichen werden muss (Einbauschränke) bzw. eine neue Arbeitsplatte in der Küche her muss.
  • Wahrscheinlich darf ich dass jetzt eigentlich nicht schreiben (Neidgefahr), aber wir heizen heute gerade erst zum dritten Mal in unserer Wohnung. Aber unter 18 Grad war mir dann doch so langsam zu frisch. (Von wegen also „tropikalisiert„! *pah*) Meine neue Wohlfühltemperatur in der Wohnung liegt zwischen 18,3 und 20,02 Grad. Dadrüber eindeutig zu warm, darunter ein wenig frisch. Außerdem weiß ich jetzt, dass wir es in Brasilien im Winter bei Kaltfront-Wetter noch deutlich kälter im Haus gehabt haben müssen, was ich in mehreren Lagen ja auch gut überstanden habe.
  • „Schneeflöckchen Weißröckchen“ kann ich fast komplett singen, wenn es denn auch schneit – das schien der dringend benötigte Reiz für mein Gedächtnis gewesen zu sein (vor ein paar Tagen nämlich schon einmal versucht anzustimmen, aber nur mit Bruchstücken vom Text geschafft). Hier rieselt´s gerade im Moment übrigens auch ganz leicht und sacht, dabei ist´s schon sehr sehr dämmrig für halb fünf.
  • Ich habe noch immer nicht meine Weihnachtsplätzchen-Rezepte gefunden! *jammer* Derweil halte ich mich ans Basteln.

Alle Daheim und munter

Der heutige Tag war alles in allem ein guter. Wir sind zwar von 6.30-19.30h auf den Beinen und „in action“ gewesen, das Abholen hat sich zwar als nicht ganz klippenfrei heraus gestellt und zwischenzeitlich stand im Raum, dass eine der Katzen wieder nach Brasilien zurück geschickt werden müsse (…), aber das werde ich ausführlich in einem nächsten wacheren Zeitfenster schildern.

Vielen Dank auch für´s Daumendrücken! 🙂

Jetzt bin ich nur noch ko und werde fast umgehend ins Bett fallen. Gute Nacht da draußen.

Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…