Tagesstimmung: Von *wah* zu *wow*!

Der heutige Tag war ein einziges Rauf und Runter auf der Klaviatur der Gefühle…

Für nachmittags waren unsere Umzugskartons angekündigt soweit so gut. Ich hatte mir gedacht, alles ins Kinderzimmer stellen zu lassen, weil auch sehr viele Sachen genau dort hin gehören würden, und dann die Option zu haben, die Türe bis nach den Feiertagen einfach zu verschließen. Dafür musste ich allerdings erst noch ein wenig schon vorhandene Möbel zur Seite oder erst einmal aus dem Zimmer raus schieben, damit die Möbelpacker komfortabel stellen konnten. Ich hatte mir gedacht, dies in Ruhe in der Mittagspause des kleinen Mannes zu erledigen.

Und so standen der kleine Mann und ich morgens um kurz nach 11h in Hut und Mantel an der Wohnungstüre um uns nur noch draußen die Schuhe anzuziehen, als unsere Klingel läutet.

Ich nehme den Hörer ab: Ja?

„Firma xyz.“

Bitte wer?

„Firma xyz.“

Ja und was wollen Sie hier?

„Ihren Umzug abladen.“

Oh.

Erste aufkommende *wah*-Gefühle, weil doch noch kein Platz für die Sachen ist.

Erst einmal kamen vier Möbelpacker hinauf, denen ich meine Verwunderung über die frühe Ankunft schilderte und drauf hinwies, dass jetzt noch nicht genügend Platz in dem vorgesehenen Zimmer sei. Sie machten also erst einmal eine halbe Stunde Pause und ich machte mit dem kleinen Mann in der Zeit Platz. Nicht ganz so entspannt wie von mir vorgesehen, aber ok. In null komma nix hatten die Möbelpacker dann 30 Kartons (die meisten in der Größe von PC-Tower-Umverpackungen, was sie in einer früheren Wirklichkeit auch einmal gewesen waren) hier oben in dem Zimmer und wollten mit dem Auspacken loslegen, was mich in erneute *wah*-Zustände versetzte, weil mir nicht klar gewesen war, dass das in dem Umzugsumfang mit drin enthalten sein sollte. In den Mails war immer nur von einer Anlieferung die Rede gewesen und ich hatte das neue Bücherregal noch nicht aufgebaut und ein weiteres CD-Regal war noch nicht angebracht – wenn wir das vorher besser gewusst hätten. So lehnte ich erst einmal ab. Enttäuscht.

Es sollte dann nur noch der Papierkram erledigt werden und zwei Packer verschwanden schon einmal nach unten. Während der kurzen Wartezeit ratterte es in meinem Hirn und ich beschloss, doch zumindest das Kinderbett, den Tripptrapp, das Bobbycar und das Laufrad zusammen setzen zu lassen. Also kamen die Packer wieder hinauf und legten los. Sehr zur Freude des kleinen Mannes erst mit Bobbycar und Laufrad.

Problematisch war dann lediglich der Aufbau des Hochstuhls, denn niemand der anwesenden Männer hatte jemals so einen aufgebaut. Zwischenzeitlich saßen sie zu Dritt drumrum. *g*

Meine Gefühlslage stabilisierte auf „erleichtert“, weil nun schon das Gröbste aufgebaut war, der Rest der Verpackungen in sehr gutem Zustand war und dies auf wenig Kaputtgegangens innen drin schließen lies. Nach nur einer Stunde waren sie schon wieder weg und nun wirklich nichts mehr von unseren perönlichen Gegenständen irgendwo in der Weltgeschichte. Alle unsere Sachen befinden sich jetzt wieder mit uns an _einem_ Ort. Irgendwie fühlt sich das sehr angekommen an. Der Abschnitt geht jetzt wirklich unwiederbringlich zuende.

Den kleinen Mann fand ich dann hungrig in seinem Hochstuhl sitzend in der Küche vor, nachdem ich eine zeitlang träumend vor den Kisten gestanden hatte. Also gab´s schnell Resteessen und dann für uns beide eine Mittagsschlafstunde.

Danach musste unbedingt sein Bällebad, das der kleine Mann anhand der Originalverpackung identifiziert hatte, aufgebaut werden. Die Bälle wurden jeweils zu fünft in einem kleinen Eimerchen abtransportiert und währenddessen fing ich dann doch einfach schon an, auszupacken. Bettwäsche, Handtücher, Sommerkleidung obendrauf und Bücher, Spielsachen und Unterlagen drunter.

Dann warf der kleine Mann alle Bälle wieder aus dem Bällebad hinaus und als ich das nächste Mal ins Wohnzimmer kam, das eigentlich ein recht großer Raum ist (andere haben dadrin eine Essecke plus Wohnzimmer untergebracht), dies aber von den zwei Bällebadzelten plus Tunnel dazwischen und den ganzen Bällen ausgefüllt war, bekam ich sowas wie Beklemmungen und verspürte das dringende Bedürfnis raus einen Spaziergang machen zu müssen. Der kleine Mann musste ein wenig gewzungen werden, weil er logischer Weise eher noch weiter mit seinen „neuen-alten“ Spielsachen gespielt hätte, aber mir tat die Stunde in der Sonne an der frischen Luft sehr gut.

Zurück machte der kleine Mann sich daran die Bälle wieder zurück ins Bällebad zu befördern und ich mich daher wieder ans weitere Auspacken, so mit dem Gedanken, dass es mit der Geduld des kleinen Mannes eh bald ein Ende haben würde. Aber die hatte ich in dieser Hinsicht total falsch eingeschätzt. Zwischendurch kam der kleine Mann immer mal gucken und verfiel in Verzückungsausrufe beim Anblick seiner „neuen-alten“ Spielsachen. „Mama, guck mal!“ „Und hier auch noch was!“ „Gute Laune!“ Irgendwann beschloss ich dann noch das neue Bücherregal aufzubauen, als der kleine Mann das Bällebad erneut leerte, diesmal in der Küche. Dafür stellte ich noch ein altes, halbhohes Regal um (nachdem es leergeräumt war), verschob ein halbleer geräumtes hohes Regal und baute das neue auf. Beim Befüllen half der kleine Mann zu meinem Erstaunen fleißig und ausgiebig mit: Er reichte mir die Bücher an und ich sortierte ein, oder er stellte unten ein.

Na jedenfalls stehen von den dreißig Kartons jetzt nur noch viere unausgepackt da. Und bislang habe ich nichts kaputtes geborgen. Selbst die Caipi-Gläser, die brasilianischen Kunsthandwerk-Gegenstände, alles ist bisher heil geblieben. Meine Laune stieg und stieg und sackte ins Traurige beim Betrachten der lieben Erinnerungsstücke um wieder zu steigen, weil alles so gut geklappt hatte und noch lief um jetzt bei einem Hoch zu verbleiben. Bald ist Weihnachten.

Unsere Sachen sind alle wieder beisammen.

Ich muss nicht mehr irgendwo auf irgendwas verzichten.

My home is my castle.

Irgendwie.

Neuerdings.

Weihnachtliche Schnipsel

  • Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich die diesjährige Weihnachtszeit genieße und in vollen Zügen auskoste! Es ist die erste nach unserer Auslandszeit, also die erste kalte wieder, und noch obendrauf die erste voll bewusste für den kleinen Mann. Eine zauberhafte Zeit!
  • Der kleine Mann wächst zum fast ebenbürtigen Plätzchenback-Liebhaber neben mir heran und unterstützt mich nach Tat und Kraft und mit Ausdauer. Besonders gut gelungen bisher: die Vanillekipferl-Dukaten – die hat er mit einer Inbrunst im Vanillezucker gewendet. Vielen Dank an Kari für den Tip! 🙂 Heute saß er im Sandkasten und erzählte den anderen Kindern, dass er Plätzchen backe und zwar mit Zucker und Milch und Mehl.
  • Sonntagabends im Auto (nachdem er schon dem Nikolaus gegenüber gestanden war und ein kleines Geschenk überreicht bekommen hatte, was ihn sehr beeindruckt hatte): Ich erzähle ihm die Weihnachtsgeschichte (unsere Bilderbücher dazu sind noch unterwegs) woraufhin der kleine Mann fragt, ob er nicht das Christkind sein könne. *g*
  • Im Moment ganz doll angesagt, weil wir das nicht weihnachtliche Buch aus der Stadtbibliothek ausgeliehen haben, in dem sich eine DVD versteckte, auf der die Buchgeschichten von einem Puppenspieler sehr schön und nett gemacht nachgespielt werden:
  • Dann noch eine Leseempfehlung für die Weihnachtsstimmung ohnegleichen beschrieben von Frau Antonmann.
  • Hach, ich weiß noch gar nicht, wie es sich wohl anfühlen mag, wenn die Weihnachtszeit plötzlich vorüber sein wird und das Plätzchen backen und basteln wieder weniger wird…
  • Morgen nachmittag kommen übrigens endlich unsere Umzugskartons aus Brasilien hier bei uns an. Ich weiß noch nicht genau, ob ich mich darüber so kurz vor Weihnachten nun doppelt freuen soll oder ich sie in eines unserer drei Zimmer stellen lasse und dann den Schlüssel bis zum Neuen Jahr einfach von außen rumdrehe… Hängt wahrscheinlich auch von dem Zustand der Kartons ab… Ich bin schon gespannt. Und damit wären wir dann wohl ganz hier. *seufz*

Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…

Daheim – und was geschah in der Zwischenzeit

Bis zum Abflug und drüber hinaus verließ uns die Hetze nicht mehr. An Tag fünf wieder zurück in Deutschland sehnte ich das erste Mal F. herbei, aber was wir alles erlebten die letzten Tage, das gibt´s in Stichworten:

  • Am Tag des Kistenabholens um 5h aufgestanden und bis 10h tatsächlich noch alles einzupacken geschafft. Der große Mann den Großteil, ich rückensteif die Zuarbeiten.
  • Bis abends dann packten F. und ich (erneut ich nur bedingt wegen des Rückens) auch die gesamten Klamotten und Badartikel bis auf einen kleinen Rest in irgendwie zusammen gekommene 10 Gepäckstücke. Der große Mann war sich mit dem kleinen Mann von der Musikschule verabschieden.
  • Abends nahmen wir Drei unseren Abschied mit einem vorzüglichen Mahl in der Skye-Bar.
  • Mittwoch letzte Woche dann Stress bis zum Abflug, wirklich bis zur letzten Minute und bis wir im Flieger saßen.
  • Stress beim letzten Kleinkram zusammen packen und Rundgang durch´s Haus.
  • Stress beim Katzen zur Bekannten fahren wo sie noch einen Monat ohne uns länger in Brasilien bleiben werden. (Fragt bloß nicht warum. Das ist einen eigenen Eintrag wert und Grund für mindestens drei-fünf erste graue Haare meinerseits…)
  • Letztes Mal frittierte Mandioka von F. gegessen. F. beginnt eine Stunde vor unserer Abfahrt zu weinen und hörte quasi bis dahin nicht mehr auf. Sehr emotionaler wirklicher Abschied von ihr von uns Dreien. Schwierig.
  • Erstaunlich viel Verkehr am frühen Nachmittag zum Flughafen mindert nicht unbedingt unseren Stresspegel.
  • Am Schalter der Fluggesellschaft angekommen, müssen wir mit 6 Gepäckstücken noch einmal umdrehen und diese zusammenschweißen lassen, damit wir die zulässige Gesamtstückzahl nicht überschreiten. Neben unserem Handgepäck (5 Taschen inkl. meine Handtasche) geben wir somit 9 Gepäckstücke auf, die aber in Wirklichkeit 12 sind (inkl. Autositz vom kleinen Mann und Buggy).
  • Mittlerweile müssen wir uns zum Flieger echt beeilen.
  • An der Passkontrolle kurzer Herzstillstand, als die Beamtin die Geburtsurkunde vom kleinen Mann zu seinem Pass verlangt. Hintergrund: In den neuen brasilianischen Kinderpässen werden die Namen der Eltern nicht mehr aufgeführt und da ich in Brasilien immer noch meinen Mädchennamen habe, wollte sie wohl sicher gehen, dass der kleine Mann nicht ohne das Wissen der Mutter außer Landes gebracht wird. Zum Glück hatten wir einer Eingebung folgend, die Geburtsurkunde ins Handgepäck gesteckt.
  • Als wir am Gate ankommen, hat das Einsteigen schon begonnen.
  • Im Flieger sind wir alle ein wenig angespannt und es dauert bis wir ein wenig runter kommen und der kleinen Mann in den Schlaf findet ist es weit nach dem Abendessen.
  • Von meinem Rücken ist wenig die Rede, aber mit Schmerzmitteln und so ließ sich der Flug leidlich überstehen. Ich hatte ja auch keine andere Wahl. Aber besonders gut und viel habe ich nicht geschlafen und das schlägt sich auch darin nieder, dass ich während der Wartezeit auf den Anschlussflug in Deutschland im Sitzen immer wieder wegnicke und nur wieder wach werde, weil mein Kopf hin und her schlägt.
  • Vollkommen ko kommen wir am Flughafen unseres Wohnortes an. Dabei ist es erst früher nachmittag. Am Gepäckband dann irgendwann die Gewissheit: Zwei von den ehemals zwölf Gepäckstücken kommen nicht mit uns an. Wir melden Verlust. Bis heute hat das Gepäck nicht zu uns gefunden und mir ahnt Böses. In einer der Taschen war fast die gesamte Wäsche des kleinen Mannes und es tut mir leid um die vielen schönen T-Shirts, an denen Erinnerungen hängen. In der anderen Tasche befanden sich die Badartikel, Medikamente, ein paar Mitbringsel und Restkram wie z.B. eine Hälfte des Babyfons und mein während der Zeit in Brasilien gesammelter Schmuck, alles nichts teures, sondern Erinnerungsstücke von unseren Urlaubsorten, also nur Mode- und Naturschmuck (für was anderes interessiere ich mich auch gar nicht).
  • Meine Schwiegereltern holen uns am Flughafen ab und nehmen den großen Mann und einen Teil des Gepäcks zum Abholen unseres Wohnungsschlüssels mit. Der kleine Mann und ich samt Restgepäck nehmen schon einmal eine Taxe zur Wohnung.
  • Vor der Wohnung begrüßt der kleine Mann den ersten älteren Herrn des Weges mit „oí!“ – hallo und ich erkläre ihm, dass er hier hallo sagen sollte.
  • In unserer Wohnung hat sich zwar nicht wirklich was verändert in unserer Abwesenheit, aber ein wenig umsortiert hatte der Untermieter schon und so nahm ich erst fälschlicher Weise an, dass er unser Kaffeebecher-Sammelsurium und die großen Glasschneidebretter mitgenommen habe bis ich diese Sachen drei Tage später im Wohnzimmerschrank wiederfand.
  • Dafür hat sich im nächsten Umfeld einiges verändert. Hinter dem Haus befand sich praktisch eine riesige Baugrube, die während unserer Abwesenheit komplett bebaut wurde. Dort stehen nun Reihen- und Doppelhäuser und von unserem Schlafzimmer und der Küche können wir auf einen neuen Spielplatz sehen. Dementsprechend viele kleine Kinder gibt es hier. Grandios!
  • Ich bin zu ko um mit meinem Rücken zum Arzt zu gehen, aber Beschwerden bestehen immer noch massiv. Um die Hüfte rum bin ich quasi unbeweglich. Ich nehme mir den Gang für den nächsten Tag vor.
  • Am Freitag, am ersten Tag nach unserer Ankunft, stand bürokratisches auf dem Programm wie bei der Stadt anmelden, in der Stadtbücherei, Fahrkarte für den ÖPNV für mich und den kleinen Mann besorgen (wir wollen mal versuchen wieder ohne Auto auszukommen, also so fast ohne nur mit Carsharing), erste Infos über die Kindergarten-Situation einholen, zweite Einkäufe wie neue Klamotten für den kleinen Mann, auch den Rest fehlenden Badkram ersetzen, ein erster kurzer Aufenthalt und Kleinigkeiten-Kauf beim Ik.ea.
  • Am Samstag gab´s den ersten Großeinkauf vormittags für den wir uns das erste Mal aus der Wohnung ausgeschlossen haben. Notiz an mich: Ein Schlüssel muss immer noch sobald als möglich zur besondersten Freundin überhaupt.
  • Dazu noch Putzen deluxe: Schmier von bestimmt drei Jahren aus Waschmaschine und Kaffeemaschine entfernen hebt eine zeitlang ohne selber viel putzen gemusst zu haben quasi wieder auf. 😉
  • Nachmittags gab´s Stadtbummel, erste Sichtung von regenfesten und warmen (tauglich für Spielstunden auf dem Spielplatz) Jacken/Mänteln für mich. Den kleinen Mann hatte ich schon von Brasilien aus via Internet für alles Erdenkliche ausgestattet, was die Schwiegereltern auch mitbrachten nebst neuen Spielsachen, die seine alten jetzt für die nächsten 2-3 Monate aufwiegen müssen (bis die Kisten vom Seeweg zu uns gefunden haben werden).
  • Sonntag stand ganz im Zeichen des Rumräumens und Einräumens in der Wohnung. Aus dem früheren Arbeitszimmer soll das Kinderzimmer des kleinen Mannes werden. Zuletzt schrieb ich dort meine Magisterarbeit wovon wir noch kleine Klebzettel als Beweis beim Abbau des Schreibtisches fanden. Nachmittags fuhren wir aber raus mit dem kleinen Mann und genossen das tolle milde Herbstwetter, was uns die Eingewöhnung sehr erleichtert(e).
  • Beim Antreten des Heimweges Trotzanfall deluxe des kleinen Mannes beim Verfrachten in den Kindersitz. Himmel! 17 Minuten am Stück Gebrüll gab´s bisher noch nicht. Bis dato hat er aber wirklich alles erstaunlich gut mitgemacht und war nur im Rahmen anstrengend.
  • Beim ins Bett bringen fragt er mich nach Familie P. in Brasilien, unseren besten Freunden dort, und im Anschluss kommt die Frage, wann es wieder nach Hause geht… Schweres Herz.
  • Der kleine Mann versucht sehr viel portugiesisch zu sprechen und freut sich ersichtlich, wenn wir ihm ebenfalls in der Sprache antworten.
  • Montag brach der große Mann zu seiner Jakobsweg-Wanderung auf: Ca. 500km sollen es werden und wir erwarten ihn gesund und munter Ende des Monats wieder zurück.
  • War ja klar, dass ich mich direkt stark erkälte. Heute vormittag ging dann gar nichts mehr, weil mich starke Stirnhöhlen-Schmerzen plagten. F. sehnte ich mir hartnäckig ohne Erfolg herbei und so nahm ich erst einmal erneut Schmerzmittel und „parkte“ den kleinen Mann mangels Alternativen vor dem Fernseher. Hoch lebe ki.ka! Anderthalb Stunden weiter raffte ich mich auf, wenn auch nicht wirklich mit weniger Schmerzen. Irgendwie haben wir den Vormittag überstanden, ich immer wieder einnickend auch bei noch so großen Anstrengungsversuchen wach zu bleiben und der kleine Mann erstaunlich lieb und gut allein spielend. Nachmittags schlugen dann die Medikamente auch endlich an und ich denke, jetzt kann es nur noch bergauf gehen.
  • Ach ja, beim Arzt bin ich wegen meinem Rücken immer noch nicht gewesen. Nach der ersten Nacht in unseren Betten wurde ich wach und konnte mich quasi wieder normal bewegen. Im Verlauf des Tages kamen die Schmerzen dann zwar wieder zurück, aber nach der nächsten Nacht war wieder alles gut und bis heute mit viel im Bett liegen, verspüre ich jetzt abends gar keinen Schmerz mehr. Wert auf gute Betten zu legen, zahlt sich doch aus. 🙂
  • Telefon und Handy gibt es mit Glück schon morgen, spätestens dann hoffentlich bis Donnerstag.
  • Und Internet… Hoffentlich bis Ende des Monats. Wie ich jetzt surfe, darüber breite ich den Deckmantel des Schweigens. *ähem*

Das Eingewöhnen klappt für mich ohne Probleme. Ich fühle mich seit Freitag wieder wie Daheim. Das mag auch daran liegen, dass ich hier vorher schon wirklich sehr sehr gerne gewohnt habe und die Stadt einfach meine Lieblingsstadt ist. Es ist einfach toll, wenn man wie ich gestern beim Gang zum Bäcker einfach so eine Freundin treffe – hier ist alles dicht bei und doch ist es eine Großstadt. Eine Stadt, in der ich lange Jahre studiert habe und die daher so voll von Erinnerungen ist, dass ich mich nirgends neu und fremd fühle. Gut, ein wenig auf den Spielplätzen. 😉 Dazu unsere alte Wohnung, unsere alten Möbeln, unsere Bücher, CD´s, Handtücher, unser Geschirr. Alles hier zu lassen war das Beste was wir beschlossen haben. Von der Küche aus, in der ich auch jetzt sitze, kann ich ein Wahrzeichen der Stadt sehen. Es ist Heimat. Und so still. Obwohl ich auch von hier startende Flugzeuge beobachten kann wie in Sao Paulo. Jetzt aber Daheim.

MÖHP.

Wir sind ja damals vor fast drei Jahren zum Glück nicht mit unserem ganzen Wohnungsgut umgezogen, sondern haben unsere Wohnung (Miet-) in Deutschland gut untervermieten können. So mit allem an Möbeln, Besteck, Handtüchern, Bettwäsche, Geschirr etc.

Unsere Bücher, Bürokram und privaten Kleinkram haben wir in Kisten verpackt und mit der Hilfe unserer Mütter und meines Bruders in den Keller verfrachtet (ich bin schon sooo gespannt, wie der Kram nach drei Jahren ausschaut…).

Tatsächlich umgezogen sind wir dann mit ein paar wenigen Koffern. Ich meine, es waren nur ein großer und ein kleiner Koffer sowie zwei Trekkingrucksäcke.

Zurück werden wir mit ungefähr 8 kleinen Kisten plus sperrigem Spielzeug des kleinen Mannes und seines Bettes gehen sowie zwei großen Koffern, zwei Trekkingrucksäcken und wahrscheinlich noch zwei Reisetaschen.

So über die Zeit hat sich halt doch einiges angesammelt…

Der meiste Teil davon scheint aus Kleinkram zu bestehen, den ich bei jedem Umzug hasse wie die Pest. Da gibt es zum Beispiel Radiergummis, Stifte, Andenken in Papierform (die mal in ein Fotoalbum sollen), Handnähkram (nur für das Nötigste, denn mehr kann ich auch nicht, aber immerhin), und und und… Ja, was eigentlich?

Ich weiß es gar nicht genau, aber es nimmt und nimmt dann doch kein Ende.

Medikamente habe ich sortiert, Unterlagen und Rechnungen ebenso und gaaaanz viel weg geschmissen.

Unter anderem auch den Mietvertrag aus Spanien vom letzten Jahr.

Unsere Sachen in den Kisten und so werden übrigens den Seeweg nehmen.

(Pro Tag geb ich mich aber nur so maximal zwei bis drei Stündchen dran. Sooo viel ist es ja nun doch nicht. Telefoniert werden muss aber immer auch noch irgendwas.)

Stress-Schnipsel-Fragen

  • Warum sind es jetzt plötzlich nur noch 13 Tage hier im Land?
  • Und warum wird nun alles kompliziert?
  • Wieso müssen neue Chefs immer alles ganz nach Verordnung und streng machen? (Hat nichts mit der Arbeit des großen Mannes zu tun.)
  • Warum scheint sich die Telefonnummer meiner Katzenfrau geändert zu haben?
  • Nachtrag: HORROR! Und wieso gibt´s auch ihre Mailadresse nicht mehr???!! (Nebenbei: Da wo sie gearbeitet hat, wird gerade umgebaut, so dass ich sie da auch nicht erreichen kann…)
  • Und wieso weiß ich immer noch nicht, ob unsere paar Sachen nun per See- oder Luftfracht gehen? (Je nach Fall könnte ich anders packen…)
  • Horrorvorstellungen bei kleinsten Angelegenheiten sind auch nicht gerade hilfreich.
  • Wenigstens habe ich wirkich gute Freunde, die mir auch mal ihr Auto ausleihen und überhaupt zur Seite stehen. Danke!
  • Btw: Das Wetter könnte auch mal wieder besser werden! So trockener und wärmer, damit man wenigstens auch noch einmal am Pool liegen könnte. Wobei, wenn das so weiter geht, bleibt dafür eh keine Zeit mehr…

Diese Liste erweitert sich die Tage wahrscheinlich noch…

Jeden Tag was Neues

Diese Woche hat es wirklich in sich.

Der Montag kam gleich mit zwei Hammern um die Ecke. Am Dienstag ging es lustig weiter mit den Bürokratie-Angeln beim Autoverkauf, die aber gestern nach Vorlage der Heiratsurkunde, Übersetzung und Beglaubigung (zum Glück hatten wir noch zwei Exemplare!) gelöst waren.

Nur damit heute F. mit einer abschließenden Forderung um die Ecke kam. Mensch, ich hoffe mal, wir gehen jetzt zum Schluss nicht mit unguten Gefühlen auseinander, das wäre schade. Ich kann sie zum Einen verstehen, weil sie schwanger ist und Angst hat, wie es die nächsten Monate weiter geht. Denn jetzt so schwanger wird sie keinen direkten Arbeitgeber im Anschluss finden, weil sie in absehbarer Zeit ja für ca. vier Monate ausfallen wird (die der Arbeitgeber sie aber zahlen müsste – das ist der brasilianische Mutterschutz). Vielleicht hätten wir ihr auch einfach schon mal signalisieren sollen, was wir uns für sie zum Abschied ausgedacht hatten, aber irgendwie hatten wir die letzte Zeit genug um die Ohren, erst die Magen-Darm-Geschichte, dann diese ganzen Orga-Tage. Und jetzt sind es plötzlich nur noch 22 Tage bis wir weg sind.