Jeden Tag was Neues

Diese Woche hat es wirklich in sich.

Der Montag kam gleich mit zwei Hammern um die Ecke. Am Dienstag ging es lustig weiter mit den Bürokratie-Angeln beim Autoverkauf, die aber gestern nach Vorlage der Heiratsurkunde, Übersetzung und Beglaubigung (zum Glück hatten wir noch zwei Exemplare!) gelöst waren.

Nur damit heute F. mit einer abschließenden Forderung um die Ecke kam. Mensch, ich hoffe mal, wir gehen jetzt zum Schluss nicht mit unguten Gefühlen auseinander, das wäre schade. Ich kann sie zum Einen verstehen, weil sie schwanger ist und Angst hat, wie es die nächsten Monate weiter geht. Denn jetzt so schwanger wird sie keinen direkten Arbeitgeber im Anschluss finden, weil sie in absehbarer Zeit ja für ca. vier Monate ausfallen wird (die der Arbeitgeber sie aber zahlen müsste – das ist der brasilianische Mutterschutz). Vielleicht hätten wir ihr auch einfach schon mal signalisieren sollen, was wir uns für sie zum Abschied ausgedacht hatten, aber irgendwie hatten wir die letzte Zeit genug um die Ohren, erst die Magen-Darm-Geschichte, dann diese ganzen Orga-Tage. Und jetzt sind es plötzlich nur noch 22 Tage bis wir weg sind.

Auto verkauft, nur bisher ohne gültige Papiere…

Doch zuverlässig stand der Käufer meines Wagens heute beim großen Mann im Büro auf der Matte, hatte dann zwar erst einige Problemchen das Geld zu überweisen und musste es dann doch persönlich bei seiner Bankfilliale veranlassen. Das liegt an der Höhe der Summe. Ab einer bestimmten Summe (die meines Wissens nach aber sogar von Bank zu Bank unterschiedlich bemessen ist) muss man den Empfänger zuvor bei seiner Bank persönlich registrieren lassen. Nachmittags lag uns dann aber der begehrte Beleg über die Anweisung vor und ich wanderte mit Pass, brasilianischem Dokument (RNE) und dem Fahrzeugbrief zu einem „Cartório“. Das ist so eine Beglaubigungsstelle.

Der große Mann ging derweil mit dem kleinen ins naheliegende Shopping (hier ist´s bewölkt und nur 15 Grad tagsüber warm gewesen).

Bei solch einem Cartório muss man registriert sein, dass heißt, die Stelle überprüft einmal alle meine Papiere und nimmt meine Unterschrift „ab“ und hinterlegt sie für alle Zukunft für weitere mögliche Abgleiche. Bei einem Autoverkauf muss ich als Verkäuferin im Beisein eines Mitarbeiters des Cartórios auf der Rückseite des Fahrzeugsbriefs unter den Angaben zum Käufer, Ort, Datum und vor allem meine Unterschrift setzen, die dann mit der von mir dort hinterlegten verglichen und dann beglaubigt wird.

In dem Cartório heute bin ich noch nicht registriert gewesen. Ich habe es einfach gewählt, weil es das nächste vom Büro aus gewesen ist und der Käufer dort später hinkommen das Auto und den Brief abholen wollte.

Also musste ich erst registriert werden und so streckte ich zuversichtlich meinen Pass und das brasilianische Dokument durch die Reiche und kassierte eine Frage ohne Blick auf die Papiere, ob ich denn verheiratet sei. Ich bejahte nichts schlimmes ahnend einfach mal ganz naiv.

Wo denn meine Heiratsurkunde sei. Bitte stellen Sie sich eine etwas überrumpelte Frau Chrizzo mit drei, mindestens drei, Fragezeichen auf dem Kopf vor, die da antwortet „zu Hause und auf deutsch“ neben dem Hinweis, dass ich aber ganz alleine als Halterin in dem Fahrzeugbrief stünde.

Ja, ohne die Urkunde würde jetzt aber nichts gehen. Und dadurch, dass ich ja nun in Deutschland geheiratet habe, sei es etwas komplizierter: Nicht nur die Haupturkunde, nein auch die übersetzte und beglaubigte brasilianische „Kopie“ müsse ich dabei haben. Habe ich nicht? Ja dann könnte ich das auch als Fax einreichen.

In der Folge beging ich einen Fehler, denn ich versuchte über den Sinn zu diskutieren. Wann werde ich endlich gelernt haben, dass man über „Bestimmungen“ nicht diskutieren kann und sich allenfalls den Unwillen der diese durchsetzen Wollenden oder meinetwegen auch Müssenden einhandelt?!

Auf meine Frage nach einem „jeitinho“ kam nur der Cartório-Leiter und bestätigte lediglich die Forderung. Auch auf meinen Hinweis auf die Unanehmlichkeiten des Käufers, dessen Geld wohl mittlerweile auch auf unserem Konto schon verbucht sein dürfte, aber der keinerlei Papiere in der Hand halte.

Nun, was ein Glück, dass ich hier zu Hause nach nur einem Handgriff und einem Aufschlagen „zufällig“ noch zwei Heiratsurkunden samt beglaubigter Übersetzung habe.

Und was ein weiteres Glück, dass wir das Auto an einen Brasilianer verkauft haben, der ohne Murren und Maulen am Telefon unsere Erklärung schluckte und sich auf morgen ohne Probleme vertrösten ließ. Das ist durchaus landestypisches Verhalten. Schon in mehreren Situationen mit wildfremden Taxifahrern, für die wir kein passendes Geld hatten (oder die konnten unsere Scheine nicht wechseln) und auch in Restaurants etc. erlebt, dass die Brasilianer ein Urvertrauen darauf haben, dass man den nächsten Tag auch kommt und seine „Schulden“ begleicht.

Jetzt bin ich auf die morgige Forsetzung gespannt.

Eine Brasilianerin meinte übrigens zu mir, ob die Mitarbeiter des Cartórios wohl auch einem Mann als erstes die Frage nach der Heiratsurkunde gestellt und auf deren Beibringung bestanden hätten. Sie zweifelte es zumindest stark an und es ist schon auch erstaunlich, dass man uns nicht drauf hingewiesen hat, als wir uns erkundigten, was ich für Dokumente mit mir führen müsste…

Nachdem ich meine Unterschrift auf den Fahrzeugbrief gesetzt habe und dies beglaubigt wurde, hat der Käufer des Wagens genau 30 Tage Zeit, den Wagen auf seinen Namen umzumelden. Versäumt er dies, muss er eine Strafe zahlen und hat eine weitaus schlimmere Rennerei (neue Besorgung bestimmter Unterlagen) bei der Ummeldung, als wenn er dies im Zeitrahmen erledigt.

WAAAH!

Gestern haben wir zwei Rückschläge in unseren Bemühungen von Brasilien zurück nach Deutschland zu gehen im Rahmen der administrativen Wegbereitung erlitten.

Der eine geht auf das Konto vom großen Mann, der andere auf meines. Zwei kleine Unachtsamkeiten. Wir schätzen uns glücklich, dass diese an einem Tag auftraten, so konnten wir uns nur ansehen, etwas verschmitzt grinsen und haben lediglich „1:1“ gesagt. 😉

Jetzt sind wir mit Ausbügeln beschäftigt.

Dabei musste ich unsere gesamten Unterlagen erneut durchgehen, alles noch einmal in die Hand nehmen – wieso liegt eigentlich das, was man braucht immer zu unterst?! Und wieso müssen sich immer so viele Unterlagen unterwegs befinden (ein Teil zur abschließenden brasilianischen Steuererklärung, ein Teil zur Abrechnung etc. pp.), dass es mir schwer fällt, darüber den Überblick zu behalten und ich langsam Panik bekommend im Haus suche bis mir einfällt, dass ich das doch dem großen Mann schon längstens mal mitgegeben habe? Ich fürchte, ich muss noch so ein „Dokumenten-Lauf-System“ entwickeln… *seufz*

Heute Nachmittag werden wir anscheinend tatsächlich meinen Wagen verkaufen. Der Interessent hatte schon letzte Woche bei Besichtigung zugesagt, war dann aber erst mal einen Tag lang nicht mehr erreichbar, dann über´s Wochenende erneut nicht, so dass wir schon zwei Mal ein wenig Panik schoben, ob er nicht doch wieder abspringen könnte. Ich mache mehrere Kreuze, wenn der heute Mittag zur vereinbarten Zeit wirklich aufkreuzt.

Und wieso ist jetzt zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen das Ladekabel von der Kamera unauffindbar, nachdem ich es nach dem letzten Benutzen extra wieder gut und deppensicher verstaut hatte?! (Die zwei Jahre zuvor war es immer an Ort und Stelle…)

Ich mag grad nicht mehr…….

Nach der Geburt im brasilianischen Krankenhaus

Wenn man nun denkt, man könne sich in einem Krankenhaus gut erholen, dann wird man schnell eines besseren belehrt, zumindest wenn er bzw. sie sich in diesem Fall nach einer Geburt in einem brasilianischen Krankenhaus aufhält.

Es gibt jemanden, der ist für das Bringen von Essen und Trinken zuständig, und kommt mindestens fünf Mal täglich für Mahlzeiten. Dann sind da Krankenschwestern, die sind nur für mich, meine körperlich-medizinische Pflege zuständig, die mir auch Blut abnehmen oder auch Bluttransfusionen anbringen und wechseln dürfen,mit mir duschen und mindestens drei Mal täglich schon allein kommen um ein paar Tabletten zu verabreichen. Am Meisten hat man aber wahrscheinlich Besuch von den Schwestern, die nur für das Thema Stillen und die Babypflege zuständig sind. Und zu guter Letzt gibt es noch Putzpersonal.

Natürlich kommen da zwischendurch auch noch der Gynäkologe mit dem Anästhesisten mal nach dem Rechten sehen und jeden Tag ein Kinderarzt, der einem das Neueste über das Abnehmen des Neugeborenen und die üblichen Kontrolluntersuchungen (z.B. Gehörtest, Impfen (Tuberkulose), Vit.K-Gabe ist hier übrigens nur einmal eine Spritze usw.) erzählt.

All diese unterschiedlichen Personen kommen in schöner Regelmäßigkeit in das Zimmer geschneit und fragen zumindest, ob sie nicht was für einen tun können. Aber man könnte dann ja auch rufen… Gefühlt ist es ein ständiges Kommen und Gehen.

Ich weiß gar nicht, wie brasilianische Frauen das in einem Krankenhaus ganze drei Tage aushalten, denn zu diesem ständigen rein krankenhausbedingten Rein und Raus kommt bei denen ja auch noch das ständige Rein und Raus von Verwandtschaft, Freunden und Arbeitskollegen dazu. Und es geht _jeder_ ins Krankenhaus der es eben einrichten kann, denn das ist hier so Sitte und dafür unüblich, die frischgebackenen Eltern Daheim zu besuchen.

Am Anstrengendsten ist es mit den für die Baby-Pflege zuständigen Krankenschwestern. Fairer Weise muss ich jetzt anmerken, dass es damals als ich entbunden habe nicht ganz so anstrengend war, denn ich musste noch nicht jeden Tag eine Liste mit der aktuell getragenen Babykleidung morgens und abends und bei etwaigem nochmaligen Umziehen (was anderes für Besuch?!) abzeichnen.

Dafür fragten die Schwestern gerne mal nach, ob sie das Kind jetzt mal haben könnten um endlich mal wieder Windeln zu wechseln (keine Möglichkeit in einigen Krankenhäusern, dies auf dem eigenen Zimmer zu erledigen), es zu baden (jeden Tag einmal), es zu untersuchen, oder mal dort schlafen zu legen. Nehmen sie das Kind dann mit aus dem Zimmer heraus, wird es an meinem Patientenbändel, das man permanent am Handgelenk trägt, ausgescannt, dann am Krankenschwester-Code eingescannt, an der Zimmertür ebenfalls abgescannt und beim Betreten in den Pflegebereich (hier heißt das Bercario, wie heißt das denn noch einmal auf deutsch?) dort eingescannt.

Einmal während des dreitägigen Aufenthalts wird gebadet und gewindelt sowie umgezogen im Zimmer mit den Eltern zusammen, damit diese das auch mal „üben“ können.

Ich habe keine Erinnerung mehr daran, ob ich damals auch schon unterschreiben musste, dass ich dieses „Training“ bekommen habe. Meine Erinnerung bringt nur noch einen wahren Wust an Bürokratie, Informtaionszetteln zur Geburt, über Untersuchungsergebnisse, offizielle Anmeldebögen in Zusammenhang mit dem brasilianischen Staatsbürgerschaftsrecht, Ausscheckbögen, wegen der Bluttransfusion ein weiterer Berg an Informationszetteln und Risiko-Unterschreib sowie in Kenntnisnehmgedöhns an die Oberfläche. Mittlerweile wird das aber definitiv so gehandhabt. Alles muss übrigens von der Kindsmutter unterzeichnet werden, eine Unterschrift des Vaters wird als Ersatz nicht angenommen.

Ganz zum Schluss kurz vor Verlassen des Krankenhauses steht dann noch die Begleichung der Rechnung an: Einmal zahlt man das Krankenhaus und seine Leistungen und die der einzelnen Ärzte (Gynäkologe, Anästhesist und Assistenzarzt) getrennt davon. Das darf dann allerdings der Vater auch ganz ohne Unterschrift der Mutter machen. 🙂

Dann bekommt man zum Schluss noch eine Wickeltasche mit einem ersten Kit geschenkt. Wenn man ein Mädchen zur Welt gebracht hat, konnte man auch noch mit den Ärzten verhandeln, dass das Kind direkt nach der Geburt „umsonst“ Ohrlöcher gemacht bekommt. Ist eigentlich ganz praktisch, denn das erspart für Außenstehende die Frage an die Eltern, ob es sich wohl um ein Mädchen oder einen Jungen handelt, bei unbeohringten Babys mit brasilianischen Eltern hat man mindestens eine Wahrscheinlichkeit von 95%, dass es sich dann um einen Jungen handelt.

Mir kommt da grad so der Gedanke, ob man bei Jungens wohl auch die Beschneidung hätte verhandeln können?!

„Entnaiviert“ 😉 mich: Wie ist das in Deutschland und sonstwo auf der Welt? Etwa ähnlich?!