Auflösung der Wartezeit

Beschweren Sie sich bei meiner gestern nachmittag angeflogenen Stirnhöhlen-Entzündung, dass Sie auf die Auflösung warten mussten.

Einige haben in den Kommentaren schon ganz richtig getippt: Ich bin schwanger!

6.Woche, also noch ganz früh, für viele zu früh um schon drüber zu schreiben.

Ehrlich gesagt, habe ich Sie auch noch länger warten lassen, als ich dann schlussendlich selber musste. Ich habe die 10 Tage Wartezeit selber nicht geschafft, denn letzte Woche Mittwoch und Donnerstag, da hatte ich Kontraktionen, die ich erst noch für Kindsbewegungen hielt (und ganz schön entsetzt war, wie ich sooo lange nichts hätte von einer Schwangerschaft mitbekommen können) bis diese so stark waren, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte einen Stein verschluckt. Da sich nun aber seit gestern die Übelkeit eingestellt hat, die Kontraktionen verschwunden sind, traue ich mich nun doch schon drüber zu schreiben.

Wir sind sehr glücklich, haben wir doch nun über 12 Monate darauf gewartet!

(Nachdem es beim kleinen Mann sofort geklappt hatte, können Sie sich vielleicht unsere Unruhe und meine vielen Enttäuschungenz wischendurch vorstellen. Auch hatte ich jetzt soeben wieder angefangen mich zu bewerben.)

Bitte halten Sie mir die Daumen, dass die Übelkeit in der zweiten Schwangerschaft nicht so schlimm wird wie in der ersten! Das war nämlich … eine Tortur nur mit kurzen Pausen bis zum Ende.

Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…

Freigegeben zum Lustigmachen

Ihr könnt Euch jetzt denken was Ihr wollt, aber ich freu mich grad wie eine Schneekönigin über das geniale, frische, aber heute trockene Herbstwetter mit dem leuchtenden Laub noch an den Bäumen und der klaren Luft.

Außerdem habe ich heute furchbtar viel Geld für einen regen- und winddichten sowie sehr warmen Mantel ausgegeben – auf dass der autolose Winter kommen könne. Dabei freut mich nicht so sehr das Geldausgeben, mehr die Gewissheit, dass ich jetzt dem Kommenden gewappnet entgegen sehen kann und wohl hoffentlich so bald keine Erkältung mehr abbekommen möge.

Überhaupt war der Tag sehr produktiv, denn Vormittags waren wir in drei Geschäften, haben Bastelkram für eine Eisbären-Laterne, den Mantel und unseren Wocheneinkauf besorgt. Nachmittags dann sind wir noch zum Bäcker und haben feinstes Dinkelbrot und Kraftkorn-Brot eingekauft (ich habe da so drei Jahre Nachholbedarf an vernünftigem Brot, Fabian vergib mir, mehr dazu mal in einem anderen Beitrag). Auch darüber freue ich mich wie eine Schneekönigin. Und danach haben wir noch winterfeste Blumen für die Balkonkästen besorgt und direkt die Hälfte noch zusammen eingepflanzt und dem traurigen Anblick von quasi kahlen Kästen, die nur mit Moosen und Gräsern beunkrautbewachsen waren, ein Ende gesetzt.

Zwischendurch noch gekocht und dem Kindelein das erste Mal Spinat vorgesetzt, sehr zu seiner Freude, denn dazu gibt es bei uns immer ein hartgekochtes Ei. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie lang es nun her ist, dass ich das das letzte Mal aß. Dann noch ein wenig geputzt und geräumt und tüchtig Luftballon gespielt, zum Ende hin noch gebadet – und schwupps ist schon die erste Woche in Deutschland rum.

Und das Leben in Brasilien scheint schon Lichtjahre entfernt zu sein. Was mich gestern Abend ein wenig bekümmert hat, aber darüber schreibe ich vielleicht das nächste Mal.

Jetzt lasse ich diesen schönen Tag mit einem nicht alkoholischen Glühpunsch ausklingen und auch darüber freue ich mich wie eine Schneekönigin. (Und Ihr könnt mich für verrückt erklären, weil ich mich so kindisch darüber freue und das schon bei diesen Temperaturen warm mache. Und so.)

Wenn ich könnte, würde ich gern an Jeden eine Schüppe meiner Freude verteilen.

Schönes Wochenende!

Tagesinhalt

  • Sektfrühstück und frische Brötchen und frisch bereiteter Orangen-Papaya-Saft und Erdbeertörtchen – für mich vom großen Mann
  • liebe Anrufe (wenn auch leider die meisten nur auf dem AB gelandet sind – blöde Zeitverschiebung)
  • liebe Mails
  • bei schönstem Wetter im Garten gegenseitiges Beinebemalen
  • mit Marmorkuchen und Kaffeethermoskanne auf den Kinderspielplatz – aber von Freundinnen mit eigenem Kuchen und Kerzen und Parabéns-Singen überrascht worden – alle anwesenden Kleinkinder auf dem Spielplatz stimmten in den Gesang bzw. das dazugehörige Klatschen mit ein – ich hatte bestimmt spätestens an der Stelle einen hochroten Kopf und musste kniepern (ich könnte schwören, dass seit der Schwangerschaft mit dem kleinen Mann nicht alle Hormone wieder auf Normalniveau zurück gegangen sind…)
  • gemütlich-lustiges Laugenknoten-Essen mit großem und kleinen Mann im Bett
  • eine Freundin holt mich zum „Stammtisch“ der deutschen Treffpunkt-Frauen ab
  • köstlichen Tintenfisch-Salat verdrückt, übermütiger Weise zwei Biere getrunken (seit der Schwangerschaft und Stillzeit eigentlich kaum noch Lust drauf, egal was mit Alkohol)
  • einige schöne Lacher, einige schöne Gespräche, eins zum Traurigsein: Seit dem, bin ich nicht mehr zum Kinderheim gefahren und habe die Kinder seither auch nicht mehr gesehen, obwohl es Versuche gab, sie anderweitig zu unseren Krabbeltreffen dazu zu holen, dann war ich in Deutschalnd, dann so krank. Nun wie auch immer, aber ich kann da einfach nicht mehr selber hinfahren. Mittlerweile sind ja doch drei Monate verstrichen, irgendwie schon eine lange Zeit. Gestern ist eine befreundete Mutter aus dem Krabbelkreis mit ihrer Nichte, die dort für ein Jahr arbeiten wird, hin gefahren. Sie sieht mir ein bißchen ähnlich (die Mutter, V.) und so kam es, dass E. und J. auf sie zugestürzt kamen, vor allem E. sich an sie hängte und gar nicht wieder los lassen wollte und immer meinen Namen sagte. Ach, wehes Herz, Kloß im Hals – ich vermiss sie ja auch… Aber bald, ganz bald sogar, genauer gesagt in einem Monat und vier Tagen werden wir Brasilien verlassen und wieder nach Deutschland zurück gehen. Soll ich sie vorher doch noch einmal besuchen fahren? Zusammen mit dem großen Mann? Oder wird dann der Abschied nur noch schwerer? Ich weiß es nicht…
  • Und so beschließe ich offiziell ein Jahr älter und ab sofort nicht mehr „vertrauenswürdig“ wie man früher so _schön_ sagte, einen so schönen Tag mit traurigem Herzen und einem großen Maracujá-Schokokuss (Füllung ist mit Maracuja-Eischnee, lecker und irgendwie versöhnlich, laut F. soll Maracuja einen ruhig und schläfrig machen)

Sch***Glück

Heute vormittag im Park ist der kleine Mann das zweite Mal in seinem Leben in Schei*e getreten. Zwei Mal in zwei Jahren – ist das ein guter Schnitt?

Jedenfalls musste ich mich sofort wieder an unser erstes Erlebnis in Spanien mit Schei*e erinnern – nur ein kurzer Hinweis, damit Ihr den Link auch anklickt: Nachher hatte ich die Schei*e an der Kleidung ohne es sofort zu bemerken…

Während ich heute die Schei*e mit einem Stöckchen aus den verdammt tiefen Rillen des Gummistiefels puhlte, schüttete der kleine Mann vergnügt im Autositz sitzend seine Siggflasche mit Wasser über sich und den Sitz. Klasse Idee bei ca. 15 Grad und wenn ich eigentlich noch schnell vor dem Mittagessen einkaufen möchte mit ihm zusammen…

Noch ein bißchen vom Wetter:

Die Nacht muss es hier etwas unter 10Grad gehabt haben. Als ich ins Bett ging, konnte ich erst einmal eine Weile nicht einschlafen, weil ich so eiskalte Füße hatte, die sich auch vehement den Aufwärmungsversuchen widersetzten. Nach 20 unerfolgreichen Minuten so ungefähr habe ich uns noch die zweite dicke Decke ins Bett geholt.

Laut den mir gängigen Wetterberichten ist das Wetter hier ein wenig wie in Deutschland und wenn wir also am kommenden Donnerstag losfliegen, werden wir uns wohl wettertechnisch gar nicht umstellen müssen. Und die sonst üblichen Fragen warum wir denn gar keine Brasilienbräune hätten, werden wahrscheinlich ein wenig seltener fallen. Ansonsten habe ich mich gedanklich auch schon mal von meinen netten Röcken als Dress zur 10jährigen Abifeier (mit Start nachmittags) verabschiedet – wird es halt wie hier auch täglich eine Jeans, ein Shirt und mein geliebter Cordblazer… Na ja, wenigstens ist kein Regen angekündigt und damit können der große und der kleine Mann wenigstens während eines Teiles meiner Feier einen netten Strandspaziergang machen.

Vom Tage

Damit ich nicht den heutigen Blogtod sterben muss… 😉

Gleich geht ein wundervoller Tag zuende, der zwar noch nicht einmal in allem bis ins Detail perfekt gewesen ist, an dem wir nichts außergewöhnliches unternommen oder gegessen haben, der aber einfach trotzdem in sich stimmig und schön gewesen ist.