Wochen-Schnipsel

Seit dem letzten Wochenende hole ich all das auf, was ich in all den kranken Wochen und den deswegen schlappen Wochen danach verpasst habe (insgesamt waren das 5 Wochen), daher ist es hier zur Zeit sehr still.

– Am letzten Samstag waren wir arg lecker südafrikanisch Essen. Springbock haben wir probiert, was uns an gutes Rindfleisch in etwas anderer Konsistenz erinnerte.

– Am Sonntag dann waren wir auf dem holy shit shopping in Köln. Grandios! Nette Stimmung, interessante Sachen, vieles für Kinder, einiges wiederholt sich sehr (Buttons zum Beispiel). Eine sehr stimmungsvolle Beschreibung von dem Event einen Tag zuvor kann man auf Tanjas Traumberg lesen, wo ich selber auch den Tip zum Hinfahren her hatte.

– Montags ist bei mir immer „Kampftag“. Nach dem Wochenende wenn wir uns alle in der Wohnung aufgehalten haben und ich nur das Nötigste beseitige, ist hier immer Großreinemachen und Aufräumen angesagt. Diesen Montag musste das alles innerhalb von vier Stunden (samt Mittagessen und dessen vorheriger Erstellung) über die Bühne gehen, da wir schon um halb Zwei Besuch von meinem Vater und seiner Frau erwarteten. Diese brachten den Adventskalender für den kleinen Mann!

– Dienstag kamen direkt 6 Karten für die Weihnachtspost für Bloggersdorf-Aktion auf einmal an! 🙂 Ich verbrachte den Tag beim Zahnarzt und damit Weihnachtsgeschenke einzukaufen, ganz gemütlich in der Innenstadt und in ausgesuchten Stadtvierteln. Nachmittags haben der kleine Mann und ich unseren ersten Plätzchenteig hergestellt.

– Heute morgen verbrachte ich anderthalb nette Stündchen mit einer Nachbarin-Freundin in einem Café beim Frühstück. 🙂 Heute nachmittag bekamen der kleine Mann und ich von einer anderen lieben Nachbarin-Freundin mit Sohn Besuch. Leider war der kleine Mann heute… etwas anstrengend. Es ist einer dieser Tage gewesen, an denen es einem sehr schwer fällt, positive Dinge zu finden, die man verstärken könnte. Mit anderen Worten war es ein Tag, an dem man sein Kind … in Gedanken … könnte…, ein Tag, an dem Erziehen so gar keinen Spaß macht, ein Tag, an dem der kleine Mann weinend ins Bett ging, weil ich mich weigerte noch eine Gute Nacht Geschichte vorzulesen, weil ich dafür viel zu müde und geschafft war, und er außerdem auch einfach wirklich nicht lieb genug gewesen ist. Der große Mann wollte ihm aber wie immer noch zwei Liedchen singen, was der kleine dann aber wütend ablehnte. Als es in seinem Zimmer irgendwann leise wurde, ist der große Mann noch einmal hin, um ihm zu sagen, dass wir ihn lieb haben und es morgen bestimmt ein neuer und bestimmt wieder toller Tag werden würde. Für einen Gute Nacht Kuss war der kleine Mann aber immer noch zu sauer. Hm.

– Morgen werden wir nachmittags Besuch von Carryboo und aus dem Traumberg bekommen. Kari ist meine erste Internetbekanntschaft, die ich aber jetzt erst nach 6 Jahren in „Echt“ kennenlernen werde – ich freue mich schon so und bin schon sooo gespannt! Tanja ist meine erste „real“ gewordene Blogfreundin, die ich vor etwa einem Jahr das erste Mal besuchte.

– Am Freitag nachmittag bekommen der kleine Mann und ich nachmittags wieder Besuch von einer lieben und „alten“ (=langen) Freundin von mir mit ihren beiden Kindern.

– Samstag dann geht´s quasi nahtlos weiter mit Besuchen (und dem Kuchenessen) von meiner brasilianischen Freundin mit Familie, die zu uns zum Adventskaffee kommen werden.

– Sonntag sind wir bei Freunden zum Geburtstags-Kaffee eingeladen. 🙂

– Nach dieser Woche werde ich dann vielleicht auch wieder ein/zwei Kilos zugenommen haben, die mir durch Krankheit und die ein oder andere fehlende Mittagsmahlzeit in der letzten Zeit geraubt worden waren. 😉

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Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…

Doch. Doch!

Da besteht ein Unterschied. Aber der Reihe nach. Erst einmal worum es eigentlich geht:

Mal wieder das leidige Thema des Getränkeumkippens.

Nachdem es letzte Woche wirklich richtig Ärger deswegen gegeben hatte, war auch erstaunlicher Weise Ruhe damit. Bis gestern zumindest.

Gestern passierten dem kleinen Mann und mir einige Male Malheure. Die Betonung liegt aber auf „passierten“. Dafür hagelte es natürlich keinerlei Ärger.  Warum auch.

Das fand der kleine Mann nach dem dritten Mal anscheinend so ungewöhnlich und zugleich verlockend, dass er seinen gerade so von mir geretteten Becher mit Goiaba-Saft tief ansah, dann mich und dann den Becher umdrehte. Erstaunlich, dass ich da quasi explodiert bin?!

Ich fürchte, da hat jemand einfach noch nicht den Unterschied zwischen extra machen und nicht extra machen verstanden…

Tips für Erklärungsstrategien einem Zweijährigen (plus 3 Monate) gegenüber nehme ich gerne an.

Aber beruhigend, dass andernorts auch dasselbe Problem vorherrscht. Irgendwie. 😉

Erziehung raten

Vom großen Mann wurde ich gerade auf einen Artikel zum Thema „Diktatur der Unschuldigen“ (drei Teile bei SPON von Elke Schmitter) – Kindheit als Kuschelwarteraum vor dem Erwachsenwerden aufmerksam gemacht.

(Auf gute Artikel bei SPON muss man mich immer aufmerksam machen, denn ich habe keine Geduld mir aus einer Menge mieser Artikel – um nicht reißerisch und niveaulos zu schreiben – noch zu uninteressanten Themen, die paar guten heraus zu picken.)

Schmitter konstatiert zuerst einmal ein Problem: Tyrannische Kinder, die die Eltern ratlos wenn nicht überfordert machten.

Der Artikel liefert im weiteren Ansätze zu einer Analysierung der heutigen Erziehungsstile. Dabei werden zwei Ansätze beschrieben:

Die Eltern wollen Partner ihrer Kinder sein. Sie gestehen ihnen mehr Freiheiten und Rechte zu, als beide Seiten brauchen und ertragen.

Das ist der Kindheit als Kuschelwarteraum-Ansatz, deren Eltern dann der Schule misstrauisch gegenüber stehen und sich Sorgen um nicht kindgerechte Lernstoffe machen.

Wir geben dir größtmögliche Unterstützung, damit du durch Leistung und Benehmen zeigst, wie gut wir als Eltern sind. Und das kann gefährlich sein. Verwahrlosung, Ignoranz und Desinteresse, so argumentiert der dänische Familientherapeut Jesper Juul, richten weniger Schaden in Kinderseelen an als jener Narzissmus, der den Nachwuchs glücklich und erfolgreich sehen will, um sich selbst als kompetent zu erleben.

Der zweite Ansatz beschreibt Eltern, die den späteren Lebenserfolg ihrer Kinder planen und damit von den Kindern enorm viel fordern. Der Artikel beleuchtet aber mehr die Eltern des ersteren Typs und stellt der dieser Erziehungs“methode“ zugrunde liegenden Sicht auf das Kind, die historischen Sichten auf Kinder von den Griechen im Schnelldurchlauf bis zur heutigen Gesellschaft gegenüber.

Der Artikel reißt mich nun auch nicht vom Hocker, wenn man ihm so etwas wie ein Fazit abringen kann, dann wahrscheinlich am ehesten das „pick your battle“, also such die Prinzipien in der Erziehung, die der Situation Deiner Familie am angemessensten sind und vertrete diese dann auch authentisch und konsequent (wenn letzteres nicht schon überinterpretiert ist).

Am Ende des Artikels werden drei Erziehungsratgeber empfohlen:

  • Michael Winterhoff: „Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit“
  • Jesper Juul: „Die kompetente Familie. Neue Wege in der Erziehung“
  • Rudolf Dreikurs/Vicki Soltz: „Kinder fordern uns heraus. Wie erziehen wir sie zeitgemäß?“

Hat davon eineR der hier Mitlesenden vielleicht schon mal eines gelesen und kann mir kurz an- oder auch abraten?