Handfeger versus Tischfeger

Jeden Morgen wenn ich den Handfeger benutze um die Katzenstreu-Krümel zusammen zu kehren, zaubert sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich denke dann an Brasilien und unsere F. und den Gärtner an einem schönen sonnigen und warmen Morgen in Brasilien. Der Gärtner war zum ersten Mal bei uns und ich hatte ihm den Handfeger raus gelegt, den er erst gar nicht benutzen wollte. Als er vorne mit dem Zusammenfegen fertig war, gab er F. den Handfeger wieder mit hinein und sagte ihr ganz behutsam, dass er diesen auch quasi gar nicht, nur ein bißchen, benutzt habe und sie ihn drinnen jetzt wieder haben könne. F.s Gesicht dazu war göttlich erstaunt und angeekelt zugleich; denn in Brasilien gibt es in dem Sinne gar keine Handfeger, sondern nur _Tisch_feger. Die Dinger sehen genauso aus wie unsere Handfeger, heißen aber Tischfeger und werden nur dazu benutzt, die Speisekrümel vom Tisch zu fegen. Ergo fegt man mit den Tischfegern nicht über den Boden und schon gleich gar nicht draußen. Außer eben in unserem deutschen Haushalt, aber das konnte der Gärtner natürlich nicht wissen und ich hatte bis zu dem Moment auch schon wieder vergessen, dass Tischfeger auf dem Boden Tabu waren und verstand so erst im Nachhinein, warum der Gärtner den Handfeger erst nicht annehmen wollte.

Und jetzt könnt Ihr und Sie Euch bestimmt die Geschichte quasi andersrum vorstellen: An einem der ersten Tage F.s bei uns, als ich sie sah, wie sie mit dem Handfeger die Frühstücks-Krümel vom Tisch fegte… Nachdem ich zuvor schon ca. 7 Monate lang die Katzenstreu-Krümel vom Boden zusammen gefegt hatte. Nach einer Erklärung hat sie das natürlich nie wieder gemacht.

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Vom Vermissen

Hallo Sonne?!

Es ist gleich zwanzig vor neun und wir müssen in einer dritten Etage wohnend immer noch die Lichter an lassen. Ich finde das abendliche frühe Dunkelwerden gar nicht so schlimm, immerhin wurde es in Brasilien, Sao Paulo, die Winterhälfte über auch immer schon um 18h duster, konstanter zwar wegen dem Breitengrad auf dem es liegt (und im Sommer übrigens immer schon um spätestens 20h…), aber irgendwie immer noch früh. Aber morgens war es dann doch auch im Winter immer um 7h hell. Und klar, es gab auch einmal dustere und graue Phasen im Winter, und den letzten September haben wir verzweifelt und umsonst auf ein schönes sonniges Wochenende vor unserer Rückwanderung gewartet, damit wir noch einmal an den Strand fahren konnten, aber zwischendurch in der Woche gab es durchaus sonnige Tage. Nun gut, der letzte sonnige Tag liegt jetzt hier wo wir aktuell wohnen noch nicht sooo lange zurück. Es war Sonntag. Aber dieses schmuddelige Einheitsgrau ohne jegliche Abstufungen und Konturen in der Wolkendecke, das ist jetzt auf die Dauer doch ein wenig nervend. Jawoll! Ich liebe auch einmal graue Tage dazwischen und im November vor allem die stürmischen, wenn der Himmel alle möglichen Grauschattierungen zeigt (in Sao Paulo war es kaum mal windig), als wenn man das umgekippte Meer der Nordsee am Himmel sähe, also Wellen von unten. Aber dieser einheitliche Grauton des Dezembers, den mag ich nicht. Der ist nur zu ertragen, wenn es auch mal schneit…

Was ich in geraumer Zukunft mal sehr vermissen werde, wird die Baustelle sein. *seufz* Das Gebäude ist mittlerweile ganz abgerissen bis auf Reste an einem anderen Gebäude, die jetzt quasi von Hand abgetragen werden müssen. Außerdem wird das Geröll nun abtzransportiert und auf Container gebaggert und bestimmt wird noch irgendwas Neues auf dem dann freien Gelände erbaut werden. Also noch ist nicht recht abzusehen, wann es hier nichts mehr zu sehen geben wird, aber der Tag wird für den kleinen Mann traurig werden, ganz bestimmt. Für mich dann auch. So kann ich nämlich noch einmal mit dem Laptop auf dem Bauch zurück ins Bett. Der kleine Mann sitzt auf einem kleinen Kindersessel in der Küche am Baustellen-Panorama-Fenster und verfolgt jede Veränderung. Das macht er mehrmals täglich, ganz ruhig dort sitzen und nur zuguckend. Pause machend. Auch wenn wir Zwei uns mal gestritten haben nach einem Trotzanfall oder so, verzieht er sich dorthin und macht einen Moment Pause. Diese Ruhe zwischendurch wird mir fehlen, irgendwann. Da nehme ich die dezente Lärmbelästigung der Baustelle doch gern in Kauf. *g*

Heutiger Tag vor allem kulinarisch

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  • Rosenkohl mit Muskat und Basilikum würzen (neben Brühe, Salz und Pfeffer) und dann in Sahne ertränken ist super lecker – leider bisher nur für mich, na ja kann ich morgen noch einmal von essen
  • Wie gesagt, meine „eigenen“ Rezepte (also über ein paar Jährchen gesammelte für leckerst empfundene) sind noch in Kisten verschollen und so backte ich heute nach dem Rezept vom Traumberg diese „Naschkekse“ (oder auch Ausstecherle genannt), für die ich bisher eh noch kein Rezept hatte, die aber ja nun mal mit Kindern der Klassiker sind. Lecker sind ´se geworden (wenn auch ein wenig zu lang in meinem Ofen, 10-12 Minuten reichen da wohl) und authentisch wie im Rezept mit saurer Sahne zubereitet. Den Tip für das Rezept habe ich übrigens von Frau Antonmann. Und Kari hat mir netterweise heute auch noch in Sachen Plätzchenrezepte weiter geholfen – vielen Dank, jetzt kann es hier ja losgehen. *g*
  • Unsere Deko wird auch so nach und nach umgestellt, aber irgendwie habe ich im Keller auch nur einen Teil in einer kleinen Kiste ausgemacht. Da fehlt noch einiges, aber so „richtig-richtig“ ist mir noch gar nicht danach. Der Engel und der immer noch halb fertige Adventskalender in der Küche kamen mir am Anfang schon sehr komisch vor. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Vorweihnachtszeit und auch Weihnachten in den letzten Jahren so in ganz anderen Breitengraden verbracht haben. Und auch mit deutlich weniger Schmuck.
  • Dem kleinen Mann geht es besser, sprich, das Fieber ist runter bis auf erhöhte Temperatur, aber Schnupfen und Husten begleiten ihn noch. Ich fühle mich zwar ab und an auch ein wenig angeschlagen, aber ein Salbei-Bonbon hin und wieder kann beginnende Symptome bisher vertreiben. Es fühlt sich so an, als wenn der Rückzug nach Europa mit weniger Infekten verlaufen wird für uns. Als wir vor drei Jahren nämlich nach Brasilien gingen war ich das erste Jahr über mehrmals wirklich sehr sehr vergrippt, so schlimm, wie ich es auch aus Kindheitstagen nur noch vage in Erinnerung hatte. Das war ganz schön anstrengend erst schwanger und dann stillend. Beim großen Mann zumindest flaute die Infektrate damals schon ab, war er doch schon das dreiviertel Jahr vorher immer hin und her geflogen und in der Zeit ständig erkältet gewesen. Anscheinend mussten sich unsere Körper an die in Brasilien herum schwirrenden lokalen Erreger erst einmal anpassen.

Sonntagsschnipsel

  • Fiebernder, viel schlafender kleiner Mann mit Schnupfen und Husten. Schläft so tief, dass er denn schrill klingelnden Wecker soeben neben dem Kopfende überhört.
  • Zwei Stunden extremst schrubben in der neuen Wohnung einer der lieben Freundinnen, die uns auch in Brasilien besucht haben. Blöder Nikotin! Festgestellt, dass Ränder bleiben, so dass jetzt doch neu gestrichen werden muss (Einbauschränke) bzw. eine neue Arbeitsplatte in der Küche her muss.
  • Wahrscheinlich darf ich dass jetzt eigentlich nicht schreiben (Neidgefahr), aber wir heizen heute gerade erst zum dritten Mal in unserer Wohnung. Aber unter 18 Grad war mir dann doch so langsam zu frisch. (Von wegen also „tropikalisiert„! *pah*) Meine neue Wohlfühltemperatur in der Wohnung liegt zwischen 18,3 und 20,02 Grad. Dadrüber eindeutig zu warm, darunter ein wenig frisch. Außerdem weiß ich jetzt, dass wir es in Brasilien im Winter bei Kaltfront-Wetter noch deutlich kälter im Haus gehabt haben müssen, was ich in mehreren Lagen ja auch gut überstanden habe.
  • „Schneeflöckchen Weißröckchen“ kann ich fast komplett singen, wenn es denn auch schneit – das schien der dringend benötigte Reiz für mein Gedächtnis gewesen zu sein (vor ein paar Tagen nämlich schon einmal versucht anzustimmen, aber nur mit Bruchstücken vom Text geschafft). Hier rieselt´s gerade im Moment übrigens auch ganz leicht und sacht, dabei ist´s schon sehr sehr dämmrig für halb fünf.
  • Ich habe noch immer nicht meine Weihnachtsplätzchen-Rezepte gefunden! *jammer* Derweil halte ich mich ans Basteln.

Was bleibt nach (fast) 3 Jahren Brasilien? Resümé

Nachdem ich in der ersten Woche wieder zurück in Deutschland ein wenig einen „Koller“ bekam, weil es mir hier zurück so verdammt gut gefällt und sich unser „Abenteuer“ Brasilien schon sofort wie Lichtjahre entfernt anfühlte, habe ich mir ein wenig mehr Gedanken darüber gemacht, was nach 2,5 Jahren in Brasilien und 0,5 Jahren Spanien so bleibt von den Auslandsaufenthalten.

  • Deutlich mehr Verständnis für Ausländer, die nur gebrochen die Landessprache des Landes sprechen, in dem sie leben. Wenn das Herz noch in der Heimat verblieben ist, kann das nichts werden. Und je nach Land, in welches man zieht, ist es manchmal wirklich schwer Kontakte zu den Inländern zu knüpfen.
  • Der tiefsitzende Wille, eine Zweiklassen-Gesellschaft wie in Brasilien hier nie entstehen zu lassen. (Ja ja, manchmal bin ich noch der Teenie, der meint, sie und ihre Freunde allein könnten die Welt retten…) Und der tiefsitzende Glaube, dass die brasilianische Gesellschaft an fehlender Auseinandersetzung, Durchmischung und Sichtbarkeit der Klassen miteinander krankt und der Ausweg vor allem durch gleiche Bildungschancen für alle samt Stipendium und Netzwerkaktionen für Unterschichtler heilbar wäre. Lulas „bolsa família“* finde ich auch den richtigen Hebel, damit die Kinder von der Straße in die Klassenzimmer kommen.
  • Schöne, wunderschöne, paradiesische Fotos von unseren Urlauben in Brasilien, diesem riesigen – 29-30 Mal so groß wie Deutschland und bedeckt fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinentes – Land. Mehr bisher unveröffentlichte Fotos folgen bei urplötzlich auftretenden nächsten Zeitfitzeln.
  • In 2,5 Jahren in Sao Paulo standen der große Mann und ich bestimmt so viel im Stau wie bisher in unserem ganzen Leben nicht. Natürlich trifft das in noch viel stärkerem Maße auf den großen Mann zu, der schließlich 5 Tage die Woche zum Büro bzw. zu Klienten musste – immer schön zu den üblichen Rush hour Zeiten. Ich konnte es mir da schon besser aussuchen, wann ich mit dem Wagen auf die Straße bin. Außerdem ist man aus Sicherheitsgründen und Einfachheitsaspekten wirklich überall mit dem Auto hin gefahren. So habe ich den kleinen Mann immer schön zu Orten gefahren, an denen er sich austoben konnte (Spielplätze), aber ich selber habe mich nur wenig bewegt. Zumal ich seit Juni wirklich keinen Sport mehr machen konnte (Urlaub in Deutschland, Lungenentzündung, leichte Hepatitis A, Umzugsvorbereitungen, Bandscheibenvorfall, jetzt temporär alleinerziehend…). Jetzt wohnen wir hier mitten in einer größeren Stadt, alles in Laufnähe und gute Öffentliche plus Carsharing – und somit erst einmal glücklich eine zeitlang autofrei und froh über jede Bewegung und sei sie auch jetzt in der Kälte und mal im Regen. Mit kleinen Kindern zusammen in Gummistiefeln hält man es auch mal ganz gut im Regen aus. 🙂
  • Wie diese Woche bemerkt, begleitet mich aber ein wenig die Angst draußen, wenn auch zum Glück nur im Dunklen. Regelmäßige und schon länger dabeiseiende LeserInnen werden sich denken können warum. Die Unwissenden können sich ja mal auf die Suche in meinem Blog begeben. Mir hilft aber  das Annehmen der Angst. Dadurch werde ich nicht panisch. Ich denke, nach dem Erlebten ist es nur normal, eine zeitlang die Angst als Begleiter in bestimmten Situationen dabei zu haben. Ich setze mich mit ihr auseinander und lasse sie in gewissem Umfang zu. Mein mich schon lange tröstender Leitspruch durch´s Leben: „Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach
  • Die Zeit in Brasilien hat auf mich und meine Art der Kindererziehung stark abgefärbt. So ist es für mich selbstverständlich, dass ich den kleinen Mann dazu anhalte, Rücksicht auf kleinere und/oder andere Kinder auf dem Spielplatz zu nehmen, denen freundlich und offen zu begegnen, wenn sie auf ihn zu gehen. Das geht so weit, dass ich ihn „zwinge“ andere Kinder mitspielen zu lassen und seine Spielsachen mit ihnen zu teilen. Dabei sei direkt angemerkt, dass ich ihn gar nicht dazu zwingen muss, weil er es von Geburt an nicht anders gewöhnt ist. Manchmal muss ich ihn nur daran erinnern. 😉 Ehrlich gesagt, bin ich hier zurück ein wenig erschrocken über die Spielplatz-Benimmregeln… Die Eltern sind oft weit weg von ihren Kindern und bekommen so oftmals gar nicht mit, wie sich ihre Sprößlinge benehmen oder bekommen es sehr wohl mit und nehmen es aber als normal hin (Beispiel andere Kinder nicht mitspielen lassen, Sachen nicht zu teilen). Ich finde es schon komisch, Sachen auf einen öffentlichen Platz mitzunehmen und dann andere nicht damit spielen zu lassen. Also käme sowas bei uns vor, würde ich das Spielzeug eben nicht mehr mitnehmen als letzte Konsequenz.
  • Ich vermisse sehr die Geräuschkulisse der Tiere, die deutlich lauter ist als die hiesige. Allen voran die Kolibris (aber nicht wegen ihrer Lautstärke, sondern ihres Aussehens und ihrer Geschäftigkeit wegen), Papageie, Weißohrbüscheläffchen, ach überhaupt die ganzen Tiere da… Ok, vielleicht nicht unbedingt Grandona… 😉
  • Ein deutlich verbessertes Körpergefühl für den eigenen Körper. Wenn man soviel recht sommerlich bekleidet lebt, dann wird man quasi automatisch freier. Ich habe ein wenig Sorge, dass sich das jetzt mit dem einbrechenden Winter und den dazu gehörenden dicken Klamotten wieder verlieren könnte. Früher nämlich hier, da hatte ich mich immer gerade an eine Jahreszeit und die dazugehörige Kleidung gerade gewöhnt, da begann der nächste Jahresabschnitt. Nicht wenig zu meinem unguten Gefühl, was von Brasilien bleiben würde, trug auch dazu bei, dass ich direkt wieder erkältet war und damit quasi sofort mein bißchen normale Sao Paulo Winterbräune verloren hatte – den deutschen Winter über bin ich immer sehr blaß, ist einfach mein Hauttyp, da kann ich nichts gegen machen, dass ich dann manchmal wochenlang „krank“ aussehe… (Leider nichts „gesundes“ gegen…)
  • Saudade (Sehnsucht) überkommt mich bisher wenig zurück nach Brasilien. Aber ich habe die Befürchtung, der nächste Urlaub wird direkt ein wenig „anders“, normalere Umgebung naturell und so… und dann werde ich es wohl vermissen.
  • Ich fürchte aber, die Saudade kommt eher noch mit der Musik aus den Umzugskisten an…

Samstagsabend-Beschäftigung

… irgendeines Nachbarn scheint das Schwingen des Bohrers zu sein. Angefangen hat er/sie damit um nach 20h. Ja kommt denn nix im Fernsehen heut?! Schön wieder in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus zu wohnen…

In Brasilien im Haus haben wir Geräusche der Nachbarn auf Grund der engen Bebauung auch oft abends gehört, wenn der kleine Mann ins Bett ging. Meist hat zu der Zeit der pubertierende Nachbarsjunge irgendein PC-Game lautstark gespielt. War auch nett, wäre mir im Vergleich zum Bohrer jetzt aber doch lieber.

Eigenverantwortung und Selbständigkeit von Kindern in Brasilien und Deutschland

Ich reihe mich aus auch bei uns aktuell gegebenem Anlass mal ein in die Riege der Blogs, die sich gerade Gedanken über die mögliche Selbstverantwortung von Kleinkindern und Kindern machen. Die Altersspanne reicht da von 2 bis ca. 8 Jahren.

Kann man ein Kind mit 2 einviertel Jahren allein mit einem Babyfon in einem Hotelzimmer schlafen lassen? (Unser Fall)

Kann man ein Kind mit 2 einhalb Jahren mal für 5 Minuten allein lassen, wenn man nur eben zur Post „nebenan“ springt?

Kann ein Vierjähriger schon bei seinem Freund alleine übernachten?

Und ab wann kann ein Kind schon allein den Schulweg gehen?

Für alle diese Fälle gäbe es eine brasilianische Antwort: Nein.

Allerdings mit unterschiedlich schrillem Tonfall.

Da wäre in unserem Fall, das dezente drauf hinweisen und sich sogar ein wenig drüber lustig machen, dass Brasilianer so etwas nicht machen würden. Denn man kann ja schließlich einen Menschen, ein Kindermädchen damit beauftragen. In gehobenen Hotels gibt es diesen Service, den man tatsächlich mit im Vergleich zu Europa/Deutschland sehr wenig Geld zu bezahlen hat (ca. 10 R.S die Stunde, was mit Stand von heute so um die 3,80€ sind).

Der Ton des Neins würde schrille Höhen erreichen, wenn es darum ginge, ein 2 einhalb jähriges Kind mal kurz allein zu Hause zu lassen und nicht weniger schrill ausfallen, wenn es darum ginge, ein Kind mit 7-8 Jahren alleine zur Schule laufen zu lassen. Aber auch in ersterem Fall ist es hier unverhältnismäßig leicht und günstig, das anders zu organisieren. So käme ich hier auch nie auf die Idee, weil ich doch tagsüber oft F., unsere empregada, eine Haushälterin, Daheim habe, die sowieso hier ist. Ansonsten könnte man ein Kindermädchen engagieren. Und die Kinder werden auf Grund der anderen Sicherheitslage, aber durchaus auch vor allem wegen der Entfernung zur Schule mit dem Auto dorthin gefahren. Hier ist es üblich, dass die Kinder in Privatschulen gehen. Das öffentliche Schulsystem von Brasilien ist halt in seiner Qualität nicht mit dem bei uns in Deutschland vergleichbar. Und nicht in allen Fällen konnte man sich seinen Wohnort vorher schon strategisch für die späteren Schulbedürfnisse der Kinder und den eigenen Arbeitsplatz aussuchen. Oft kommt es dann auch vor, dass die Kinder von Fahrern gebracht und abgeholt werden, weil man selber eben ins Büro fahren muss, was nicht unbedingt in der gleichen Richtung liegt.

Das gnädigste Nein würde es wohl geben, wenn es darum ginge, ob der 4 Jährige schon bei seinem Freund übernachten dürfte/könnte, da Kinder in diesem Alter durchaus und schon lange vorher allein mal bei den Großeltern oder/und anderen engen Familienmitgliedern übernachten. Bei Freunden ist dies allerdings in dem Alter noch unüblich, beginnt aber mit Schulbeginn durchaus.

Die Schilderung der Situation hier in Brasilien bezieht sich auf die Verhältnisse in Sao Paulo für eine Familie ab der Mittelschicht aufwärts.