Pieps

Mir geht es wieder besser. Der Montag war … etwas speziell. *ähem* Keine Ahnung, vielleicht Hormone, ätzende Übelkeit plus Krankheit.

Der kleine Mann darf seit heute wieder in den Kindergarten, bei ihm hat das erste Antibiotikum angeschlagen, aber mein erstes wurde durch ein zweites ausgetauscht. Nimmt man ja gerne so Zeugs in der Schwangerschaft. Noch lieber im Doppel mit Übelkeits-Tabletten, damit´s auch wenigstens drinnen bleibt und wirken kann… *seufz*

Gestern Abend sind wir eine kleine Runde mit Nachbarskindern und den Laternen gegangen. Der kleine Mann war ganz hin und weg und hat nachher immer wieder gesagt, was das doch für ein schöner Tag gewesen sei. 🙂 Heute morgen wollte er dann im Dunkeln direkt wieder los.

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Auflösung der Wartezeit

Beschweren Sie sich bei meiner gestern nachmittag angeflogenen Stirnhöhlen-Entzündung, dass Sie auf die Auflösung warten mussten.

Einige haben in den Kommentaren schon ganz richtig getippt: Ich bin schwanger!

6.Woche, also noch ganz früh, für viele zu früh um schon drüber zu schreiben.

Ehrlich gesagt, habe ich Sie auch noch länger warten lassen, als ich dann schlussendlich selber musste. Ich habe die 10 Tage Wartezeit selber nicht geschafft, denn letzte Woche Mittwoch und Donnerstag, da hatte ich Kontraktionen, die ich erst noch für Kindsbewegungen hielt (und ganz schön entsetzt war, wie ich sooo lange nichts hätte von einer Schwangerschaft mitbekommen können) bis diese so stark waren, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte einen Stein verschluckt. Da sich nun aber seit gestern die Übelkeit eingestellt hat, die Kontraktionen verschwunden sind, traue ich mich nun doch schon drüber zu schreiben.

Wir sind sehr glücklich, haben wir doch nun über 12 Monate darauf gewartet!

(Nachdem es beim kleinen Mann sofort geklappt hatte, können Sie sich vielleicht unsere Unruhe und meine vielen Enttäuschungenz wischendurch vorstellen. Auch hatte ich jetzt soeben wieder angefangen mich zu bewerben.)

Bitte halten Sie mir die Daumen, dass die Übelkeit in der zweiten Schwangerschaft nicht so schlimm wird wie in der ersten! Das war nämlich … eine Tortur nur mit kurzen Pausen bis zum Ende.

Hast Du keine Angst (gehabt)? – Gesundheitssystem in Brasilien

Wie ist denn das medizinische System in Brasilien?

Hast Du keine Angst, dort Dein Kind zu bekommen?

Das wurde ich damals oft gefragt als wir uns auf den Weg nach Brasilien machten. Noch immer wird mir diese Frage gestellt so ab und an.

Angst direkt hatte ich damals keine, mehr so eine generelle Unsicherheit, die man als Erstgebärende aber wohl überall hat und die ich auch Daheim in Deutschland gehabt hätte, vielleicht zu Beginn der Schwangerschaft nicht so ausgeprägt wie hier in Brasilien. Hier hatte ich bestimmt noch einige Fragen mehr zum Ablauf und zur Kultur, aber ich habe mich über das Gesundheitssystem informiert und ganz schnell war dann klar, dass ich als Europäerin mit deutscher Privatversicherung hier nicht besser als in Deutschland auch aufgehoben war, vielleicht war ich es hier sogar noch besser.

Wir können uns hier die Ärzte aussuchen, im Gegensatz zu vielen anderen hier Versicherten, die an einen ärztlichen Verbund gebunden sind, und so habe ich mir damals einen deutschsprechenden Gynäkologen

ausgesucht. Das war mir so wichtig, weil ich noch in Deutschland keine einzige Portugiesisch-Stunde besucht hatte, denn nur acht Tage vor unserem Abflug hierhin hatte ich meine letzte Prüfung an der Uni und nur sechs Tage vorher haben der große Mann und ich geheiratet. Aber das nur am Rande.

Also konnte ich im dritten Schangerschaftsmonat hier nur eine handvoll Wörter und stieg in die Taxen immer mit einem Zettel auf dem die Adresse stand ein. Hier in Sao Paulo ist es für die privat Versicherten Standard, dass sie ihren Gynäkologen mit ins Krankenhaus zur Geburt nehmen. Ich war jetzt erstaunt, als June für ihre Lola eine „Rauskomm-Sperre“ verhängte, damit „ihr“ Gynäkologe mit ihr die Geburt machen könne, denke aber, dass das immer noch eine Ausnahme in Deutschland ist, oder?

Wenn man dagegen in Brasilien auf das staatliche unentgeltliche System (bis auf die Medikamente) angewiesen ist, geht man zur Geburt einfach in das nächstliegende öffentliche Krankenhaus und hofft auf einen freien Kraißsaal wenn es denn soweit ist, während man zuvor mit anderen Frauen in einem Gemeinschaftssaal liegt und mehr oder weniger auf sich alleine gestellt ist. Nach der Geburt gibt es häufig nicht mal genügend Zeit auf die Nachgeburt zu warten und so wird oft einfach an der Nabelschnur gezogen… Woher ich das weiß? Ich kenne eine ehrenamtlich dort arbeitende Deutsche.

Der von uns ausgesuchte Gynäkologe wurde noch auf seine Meinung über Kaiserschnittgeburten befragt – ich sag nur: 80% Kaiserschnittrate bei Mittelschicht und aufwärts, die ihre Geburten nämlich wirklich planen, da sie außerdem bis zum Termin arbeiten. Mutterschutz gibt´s hier nicht vor der Geburt. Und danach? Nur für vier Monate, soviel ich weiß, was aber auch viele nicht ausschöpfen.

Die Ärzte, die ich mittlerweile aussuche, kann ich jetzt in erster Linie nach dem Können und der Sympathie auswählen und selbst der Kinderarzt vom kleinen Mann spricht kein Deutsch, aber als zweite Sprache noch Englisch. Und das ist oft die Regel, dass die Ärzte in dieser Liga mindestens eine weitere Sprache sprechen und dazu noch extrem gut, weil sie sehr häufig nämlich dann auch dort im Land waren und gearbeitet haben oder dort ihre Ausbildung genossen haben.

Allerdings gibt es hier kein Hebammensystem und das finde ich nach wie vor wirklich schade. Ich hatte zwar die Auskunft, dass man professionelle Krankenschwestern anheuern könne, aber nach der Geburt des kleinen Mannes hätte ich eine speziell für das Stillen gebrauchen können, die wir aber nicht gefunden haben.

Von dem Krankenhaus, in dem ich den kleinen Mann zur Welt gebracht habe, sagt man, dass es wahrscheinlich das Beste in ganz Südamerika sei. Ok, ich wüsste nach der Geburt dort einige Kritikpunkte anzubringen, aber die sind nicht technischer Natur, mehr wohlfühlerischer Natur, was aber zum Teil auch der anderen Kultur geschuldet ist. Es ist eher vielleicht ein extrem gutes Allgemein-Krankenhaus, ohne das Haus jetzt abqualifizieren zu wollen, aber ein zweites Kind würde ich jetzt wohl in diesem deutlich mehr auf Geburten spezialisierten Krankenhaus bekommen wollen.

Nein, da hatte ich keine Angst mehr, wusste ich doch, dass ich privilegiert bin und nicht auf das öffentliche Gesundheitssystem angewiesen sein würde und mein Kind noch zudem in _dem_ Zentrum für Technik, Fortschritt und alles mögliche andere in ganz Südamerika zur Welt bringen würde, in Sao Paulo und nicht irgendwo im Landesinneren ohne jegliche Infrastruktur.

Aber diese wohl für Erstgebärende typische Unsicherheit, die wurde mir dadurch nicht genommen, aber das wäre wieder eine andere Geschichte und wie ich die Geburt dann letztendlich erlebt habe, darüber schreibe ich in einem der nächsten Male, denn jetzt ist der kleine Mann auch schon wieder aus seinem Mittagsschlaf erwacht. Darüber hinaus ist es auch noch interessant, über die letzten Wochen vor der Geburt zu schreiben, denn nur eine Woche vor ET fand in Sao Paulo ein Gefängnisaufstand stand, aber das muss auch noch warten.

Nachtrag: Mit der Arztwahl geht eine gewisse Krankenhausauswahl daher, da der Gynäkologe in der Regel nur in ein/zwei Häusern Belegbetten hat.