Lichtblick

Die Shootingqueens rufen dazu auf, Lichtblicke zuzusenden und wollen dafür sogar etwas verlosen.

Da kann ich nicht widerstehen.

Mir fiel sofort unser Herbst 2007 in Kastilien ein, als ich mit dem Schreiben im Internet begann. Ungelogen habe ich dort den schönsten Herbst meines Lebens verbracht. Die Landschaft ist dann wahrlich spektakulär schön dort und entfacht zum Abschied der Sonne ein wahres Farbenfeuerwerk.

Mein Lieblingsbild schicke ich ins Rennen.

Auch wenn ich weiß, dass es einige Mängel bezüglich des Bildausschnitts und der Technik hat. Aber ich liebe die Farben. Zuerst veröffentlicht habe ich es übrigens am 15.11.2007 in meinem ersten Blog.

Vom Alleinesein und heutigen Tag

Davon wollte ich schon lange einmal schreiben, denn es ist nun definitiv nicht immer lustig alleine zu sein. Und dabei bin ich ja nun glücklicher Weise nur temporär alleine, aber es ist schon oft sehr einsam, wenn es Tage gibt, an denen man „nur“ Kindgespräche führt im Stile von „Mama!!Maaaaamaa!!!“, „wasdenn?“, „dubbdubbda – Maaamaa!!“, „achso, das da, ja einen Moment“, „Maaaaaammaaa!!!“ und ansonsten „nur“ belangloses auf portugiesisch mit F. oder mit Kassiererinnen im Supermarkt.

Und dabei war heute noch nicht einmal solch ein Tag.

Heute war einer dieser Tage, an denen man sehr viel erlebt hat und schon den ganzen Tag über weiß, dass man es dann abends mit niemandem teilen kann. Erstens kommt man schon zu spät für Telefonate nach Europa heim (24h dort) und wenn dann der kleine Mann seelig schlummernd im Bette liegt, ist es noch viel später (nämlich 2h). An Tagen dieser Art fühle ich mich auch sehr einsam.

Und dabei weiß ich heute zumindest, dass der große Mann jetzt schon im Flieger sitzt und wieder gen Heimat fliegt, erst einmal muss er dann zwar noch ins Umland von Sao Paulo und ein „wenig“ arbeiten, aber morgen Abend wird er dann wieder hier sein und dann kann ich ihm auch berichten, welchen Eindruck die zwei Kindergärten, die der kleine Mann und ich uns heute angesehen haben, auf uns gemacht haben. Dabei platze ich doch quasi damit ungesagt.

Und dann kann ich ihm auch erzählen, dass das Abholen der Kinder aus dem Kinderheim heute ein wenig unschön war, haben doch alle Kleinen der Reihe nach geweint, weil ich nur alleine mit meinem kleinen Wagen samt Kindersitz und dem kleinen Mann da war um sie zu holen und dementsprechend nur wenige mitnehmen konnte.

Die Freundin, die diese Aktion schon während unseres Spanienaufenthaltes hauptsächlich betrieben hat (und auch damals initiiert hat? das weiß ich gar nicht sicher) und der ich mich gerne angeschlossen habe, ist seit letztem Wochenende wieder zurück nach Deutschland gegangen mit ihrer Familie, für immer. Oh, ich habe sie auch schon vorher vermisst, aber gerade heute war das wirklich schmerzlich! Nun gut, das nächste Mal kann ich zusätzlich einen Taxifahrer meines Vertrauens engagieren, dafür habe ich die Einwilligung bekommen. 🙂

Um die Kinder, die dort bleiben mussten, ein wenig zu „trösten“, holte ich aus dem Auto ein paar Tüten Kokossaft und Kekse, die wie Sma.cks schmecken – hatte ich doch die normale Menge wie sonst auch dabei. Saublöde war dann aber, dass eine der „tias“ (Tanten) lautstark verkündete, dass die Kinder, die weinten keinen Saft und Kekse dürften. Sie würden die Situation schon verstehen können und sie sagte noch was wie, dass sie genug Ausflüge machten und es nicht so schlimm sei und keine genaue Ahnung was noch.

Seither überlege ich, ob es wirklich schlimm gewesen wäre, wenn die Kinder von mir, einer Außenstehenden, die sie sonst nicht weiter erzieht, ausnahmsweise mal einen „Seelentröster“ erhalten hätten.

Hätte ich Kindern bis ca. 8 Jahren damit gezeigt, dass sie ihren Willen durchsetzen, wenn sie nur laut genug weinen? Nein, denn ich konnte nun einmal nicht mehr mitnehmen, die Autos und Fahrer heute haben sich nicht auf wundersame Weise dadurch vermehrt. Saft und Kekse bekommen sie von uns immer im Park, neben Früchten übrigens. Kann man ihnen das nicht wenigstens geben, damit sie es sich zu hause auch ein wenig schön machen können, wenn sie eh wissen, dass die die mitkommen konnten, dass auch wie immer bekommen würden? Hätte ich ihnen in dieser einmaligen Aktion vielleicht gezeigt, dass sie sich bei Frust etwas süßes in den Mund stecken sollen?

Ich bin da skeptisch. Nun denn, in der Situation wollte ich der „tia“, mit der sie jeden Tag zu tun haben, nicht in den Rücken fallen und ihre Autorität untergraben, in dem ich vor den Kindern anfange, dies mit ihr auszudiskutieren.

Zurück zum Alleinesein, an das ich mich ja eigentlich mit der Zeit gewöhnt haben sollte. So nach einem Anfang hier, an dem ich niemanden kannte und nur genau eine handvoll Wörter in der Landessprache von mir geben konnte, wo selbst das Suchen im Supermarkt nach bestimmten Artikeln und das Kaufen des richtigen Putzmittels ein robinson´scher Akt waren.

Oder nach fünf Monaten in Spanien, in denen wir erst zum Ende hin soziale Kontakte knüpften (zu anderen Ausländern, die deutsch sprechen konnten) und das Fremdsprachenproblem für mich erneut gegeben war, allerdings deutlich abgemildert. Portugiesisch und Spanisch ähneln sich in der Schriftsprache eben doch und man wird mit der Zeit auch definitiv gewandter, was das Erschließen von Situationen anbelangt, in denen man nur ein drittel der Wörter versteht – ich lese viel aufmerksamer in den Gesichtern und Gesten meines Gegenübers und stelle mich nicht mehr verschreckt deppert an, wenn ich an der Kasse irgendetwas absolut unverständliches gefragt werde. Worum kann es sich in solch einer Situation schon handeln? Sehr wahrscheinlich um´s Bezahlen oder um den Preis für irgendwas oder die genaue Obstsorte oder ob das auch noch zu meinem Einkauf gehört oder ob ich die superduperextrageld-Karte habe oder sowas halt. Am Anfang wollte ich immer unbedingt alles „verstehen“, jetzt denke ich einfach noch einen Ticken weiter mit.
Zurück zum Alleinesein und dem stärksten Unterschied zwischen dem Gefühl in Spanien und jetzt in Brasilien.

Wenn der große Mann auch in Spanien wirklich viel gearbeitet hat, so war er doch irgendwann mal kurz zum Schlafen da. Ich konnte ihn sehen und fühlen und riechen und natürlich auch mal ein Wort wechseln. Und er war jedes Wochenende da, an denen wir wirklich jede Menge schöne Ausflüge in die nähere und etwas weitere Umgebung (nur zwei von vielen Beispielen) gemacht haben.

Selbst wenn ich dort in der Woche mit dem kleinen Mann noch objektiv einsamer war (betrachtet man die Bekannten und Freunde, die man treffen kann) als ich es hier in Brasilien bin, wo wir doch einige Kontakte haben und auch einfach viele feste Termine haben (Kinderheimkinder, Kunst, Musik), und ich zusätzlich noch alleine für den Haushalt zuständig war, war es nicht so einsam oder hat es mich nicht so ko gemacht wie ich es hier manchmal in Brasilien bin. Klar, der große Mann war eben doch immer greifbar und die Wochenenden zusammen als Familie bedeuten einfach viel. Außerdem konnte ich jeden Abend mit Familie oder/und Freunden in Deutschland telefonieren – Vorteil derselben Zeitzone. Und, was ich abends immer so schön fand: Ich konnte in Spanien zumindest sehen, dass es Leben um mich herum gibt. Wir wohnten mitten in der kleinen Stadt und die Spanier gehen ja bekanntlich abends gerne noch lange aus und ich konnte ihnen dabei auf der Couch sitzend zusehen.

Betrachtet man die gesamte Stadtkarte von Sao Paulo, so kann ich schon auch mit Recht behaupten, dass wir hier ebenfalls mittendrin wohnen. Gucke ich aber abends (oder auch schon tagsüber) auf die Straße hinaus, so sehe ich höchstens mal Autos und ich kann noch nicht einmal meinen Nachbarn zusehen geschweige denn erkennen, ob sie noch Licht an haben oder nicht. Meine Nachbarn stecken nämlich alle hinter dicken und vor allem hohen Mauern, dass ich überhaupt so schön auf die Straße sehen kann, verdanke ich dem Umstand, dass wir nur einen Zaun zur Abgrenzung zum Schutz haben und keine Mauer. Würde ich das Haus nicht auch mal verlassen, so würde ich an manchen Tagen keine Menschenseele sehen. Am Wochenende ist es weit schlimmer als in der Woche, wenn die Nachbarn entweder aus der Stadt raus gefahren sind oder ihre Verwandten besuchen sind.

Warum ich mich hier im Haus also manchmal so einsam fühle, hängt auch mit unserer Wohnform und unserer sozialen Stellung (sprich den großen sozialen Unterschieden in Brasilien) zusammen. Und über die Wohnformen muss ich jetzt wirklich bald mal schreiben, aber es fehlt noch ein wenig unterstützendes Bildmaterial.

Ach, es gibt aber auch positive Seiten an der Abgeschiedenheit, über die ich vielleicht ebenfalls mal ein ander Mal schreibe.

Und überhaupt: Morgen scheint ja schon wieder die Sonne – zumindest im übertragenen Sinne (der große Mann kommt abends heim), gibt es doch im Süden Brasiliens schon die erste Kältefront dieses Jahres (mit Frost!) und auch bei uns in Sao Paulo (liegt ja nicht ganz südlich) ist das Wetter nicht so berauschend, wenn auch noch nicht an den hier üblichen untersten Wintertemperaturen angelangt.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Im letzten Artikel habe ich noch Infos zu den Fotos eingefügt. (Für all diejenigen, die sich nicht an Kursivschrift erinnern können.) Ich habe zwar auch noch einmal versucht, die Bilder noch ein wenig anders und zwar ein wenig weiter getrennt voneinander zu setzen, aber ich habe noch keinen Weg gefunden das automatische Löschen von Leerzeichen und größeren Absätzen auszutricksen.